Die Prinzessin umarmte Dolores und küßte sie auf die bleiche Stirn.
»Ich weiß, daß Sie gut sind und edel,« sagte sie, »ich weiß, daß kein Flecken auf Ihrem Rufe haftet – hätte ich sonst Ihre Nähe gesucht? Denn wir Fürstinnen stehen den Blicken der Welt ebenso exponiert wie die Künstlerinnen und müssen den Schein in allem zu meiden suchen. Man muß nur die höchste Meinung von dem Berufe haben, zu dem wir ausersehen sind, dann ist ein Abirren von dem rechten Pfade unmöglich!«
»Ich kann's bezeugen, daß Donna Dolores ihre Kunst für allzu heilig hält, um sie zu profanieren,« sagte Keppler warm, »und wenn es eine würdige Priesterin dafür giebt, so verdient sie diesen Namen – dafür will ich einstehen zu jeder Zeit!«
»Ich danke Ihnen,« erwiderte Dolores leise.
Falkner hatte kein Wort mehr gesprochen – er stand abgewendet und betrachtete aufmerksam die flockigen Blüten eines Perückenbaumes am Wege.
»Was sagen Sie zu dem Entschlusse Ihrer Cousine, lieber Baron?« fragte die Prinzeß.
»Ich, Durchlaucht?« er sah sehr gleichgültig aus. »Ich habe ja gar kein Recht, etwas zu sagen.«
Sie gingen schweigend weiter, bis die Prinzeß wieder fragte:
»Und wann wollen Sie von hier scheiden?«
»Ich weiß es noch nicht, Durchlaucht, vielleicht sehr bald, vielleicht erst zum Schluß des Sommers. Ich glaube, das Rasten thut mir gut, aber ich fürchte das Rosten. Es bedarf in der That aller meiner Energie, um nicht, wie Herr Olaf auf der Erlenhöhe, so lange zu träumen, bis es zu spät wurde für den Träumer.«