»Aber, Durchlaucht – das ist doch schließlich Geschmackssache! Es giebt Leute, die mich nicht einmal hübsch finden!« erwiderte Dolores erstaunt.

»Ich wollte, Sie wären häßlich wie die Pastrana – ein Waldaffe – ein Scheusal,« war die liebenswürdige Antwort, welche indes so unwiderstehlich auf Dolores wirkte, daß sie das Lachen nicht unterdrücken konnte. Aber das reizte die kleine, blonde Furie nur noch mehr.

»O Sie! Sie!« schluchzte sie. »Sie Scheinheilige, Sie Füchsin! Mir lachend seine Liebe zu rauben – ich hasse Sie, denn er hat nur Augen für Sie –!«

Jetzt wurde Dolores aufmerksam.

»Wessen Liebe raubte ich Ihnen?« fragte sie kühl.

»Seine – Alfred Falkners!« rief die Prinzeß, den Boden stampfend.

»Durchlaucht träumen,« entgegnete Dolores stillstehend mit soviel Hoheit, daß der mehr vor Zorn als vor Herzensjammer schluchzenden Prinzeß plötzlich die Thränen versiegten und sie fassungslos ihrer Gefährtin in das blasse Antlitz mit den seltsam flammenden Augen sah.

»Ich dachte, Sie sollten oder müßten ihn heiraten wegen des Testaments oder – was weiß ich –« stotterte sie purpurrot hervor.

»Durchlaucht sind in ersterem wohl informiert,« gab Dolores gleichgültig zurück. »Was das ›müssen‹ anbetrifft, so steht davon aber nichts geschrieben, und Baron Falkner ist mit mir dahin übereingekommen, daß das berührte Testament in diesem Punkte unvollzogen bleibt!« –

Mit einem Freudenschrei flog Prinzeß Lolo der eben so wenig Geschmeichelten um den Hals.