»Nein,« entgegnete Dolores fest. »Ich werde die Bühne niemals mehr betreten.«
Sie wußte selbst nicht, warum sie aussprechen mußte als Faktum, was sie vor einer halben Stunde noch nicht um die Welt versprochen hätte. Aber es drängte sich auf die Lippen, und nun war es hinausgehallt, und sie wußte, daß sie ihren Worten treu bleiben würde.
»Leben Sie wohl für heute, Donna Dolores,« sagte Keppler nach einer Pause. »Denn daß Sie ein Renegat der Kunst geworden sind, das ist eine Nachricht, die ich erst verwinden muß, ehe ich der Abtrünnigen wieder begegne.«
Und damit kehrte er kurz um und war bald ihren Blicken entschwunden.
»Es hat ihn getroffen – aber er wird es schon überwinden, denn tout lasse, tout casse, tout passe,« meinte sie seufzend.
»Darf ich denn meinen Ohren trauen?« fragte Falkner nach einer Weile. »Erst Ihre – übrigens vollberechtigte – Verteidigung eines Berufes, den Sie zu dem Ihren gemacht aus Gründen, die ich zu verstehen beginne, und heut' – heut' diese Resignation auf fernere Lorbeeren –«
»O behüte,« entgegnete sie fast heiter. »Sie wissen, Geibel sagt zwar:
Lorbeer ist ein bittres Blatt
Dem, der's sucht, und dem, der's hat.
Aber es ist auch dabei das begehrenswerteste Blatt, und ich will's auch zu erringen suchen durch mein bißchen Talent, Melodien zu erfinden. Lieder und kleine Albumblätter – vielleicht auch wieder einmal eine Oper von ›dem Komponisten der Satanella‹ – sind wohl mindestens der Beachtung sicher. Meinen Sie nicht?«