»Was liegt Ihnen an meiner Meinung?«
»O, man müßte ja natürlich eine merkwürdige Bettelsuppe von Charakter sein, wollte man sich nach jedes Menschen Meinung richten. Aber hören kann man sie doch und sich die Goldkörnchen daraus lesen.«
Falkner antwortete nicht, und schweigend schritten sie weiter. Zuletzt aber nahm er doch wieder das Wort.
»Welch' guter Engel mag es gewesen sein, der Ihren Entschluß in diese Bahn gelenkt hat?« sagte er sinnend.
»Ein guter Engel war's in der That, der mich eben erst zu überreden suchte, und sein Name ist Prinzeß Alexandra,« erwiderte Dolores. »Und auf der anderen Seite deutete Herr Keppler mir als Genius des Ruhms mit einer Lorbeerkrone hinauf – zur Sonne. Da stand ich denn:
Prophete rechts, Prophete links,
Das Weltkind in der Mitten.«
»Aber der Engel siegte –?«
»Nein. Es war etwas anderes – ich bin müde – und ich habe wohl auch Verpflichtungen als Herrin des Falkenhofes, solange er mein ist. Die arme Dolores Falkner konnte thun, was ihr beliebte, oder was sie mußte, um ihre Gaben zum Kampfe ums Dasein zu verwerten; die reiche Dolores Falkner konnte sich dann auch noch echte Diamanten statt der falschen in ihre Theaterprinzessinnen-Kronen fassen lassen – aber die Lehnsherrin vom Falkenhof ist's wohl dem alten Stamme schuldig, daß sie ihn nicht von den Brettern aus verwaltet, trotzdem höchstes Künstlertum nicht schändet, sondern auszeichnet.«
»Ja,« sagte Falkner mechanisch – und setzte dann hinzu: »Ich danke Ihnen aber trotzdem, Dolores!«