Mit jähem Erröten, fast erschreckt, sah sie auf, als er ihren Namen nannte.
»Verzeihen Sie – es geschah ohne Absicht,« rief er, gleichfalls erschrocken über eine Kühnheit, die ihm, nach allem, nicht zustand, deren Erfolg er aber nun atemlos, gierig erwartete.
»O, es macht nichts – wir sind ja Vetter und Base,« sagte sie mit jenem Lachen, das ihn früher so sehr gereizt. »Und wenn ich mir's bedenke, so ist's ja überhaupt nur spaßhaft für die anderen, wenn wir uns so furchtbar steif als ›Herr Baron‹ und ›gnädigste Baronesse‹ titulieren. Also lassen wir's doch dabei und nennen wir uns mit unseren Vornamen. Das spricht, wenigstens nach außerhalb, mehr für die Komödie ›Die zärtlichen Verwandten‹ als für die Tragödie ›Ein Bruderzwist im Hause Habsburg.‹«
»Gewiß,« bestätigte er kühl, ernüchtert.
»Falls es Ihnen nämlich recht ist, wenn wir das Kriegsbeil vergraben,« schloß sie, nicht ohne den alten, leisen Spott im Tone.
»Recht? Nur recht? Ich legte Ihnen mein ›peccavi‹ schon früher zu Füßen,« erwiderte Falkner beziehungsvoll.
»Ich weiß es und hab's nicht vergessen,« gab Dolores ernst zurück. »Denn Sie können mir glauben, Vetter, daß es mir Ernst ist mit unserem Friedensschluß –«
»Wirklich?« fragte er stehenbleibend und ergriff ihre beiden Hände. Sie wurde um einen Schatten blässer, aber sie litt es ohne Widerstand.
»Ich bin so gut als mein Wort,« sagte sie ohne zu zucken, »und daß wir unsere heterogenen Naturen im Interesse des guten Tons zu einem ungezwungeneren Verkehr zwingen, kann für uns und andere nur von Vorteil sein. Auch bekenne ich gern, daß ich Ihr ›peccavi‹, wie Sie es selbst nannten, bei Ihrer Abneigung gegen meine Person, als eine besonders schwere Selbstüberwindung, auch besonders hoch schätze.«
Heftig ließ Falkner die beiden schmalen, langen Hände los, die so ganz regungslos in den seinen gelegen hatten.