Und fiel auf die zarten Blaublümelein –

Die sind verwelket, verdorret.«

Da schloß sie das Fenster mit leisem Schauer und zündete ein Licht an und setzte sich an ihren Schreibtisch.

Doch ihre Hände waren kalt, so kalt, daß es ihr Mühe machte, die paar Zeilen der Einladung zum folgenden Tage an die Gräfin Schinga zu schreiben. Die Arnsdorfer hatten sie zwar noch nicht eingeladen, und daher bedurfte es noch ein paar liebenswürdiger Worte, um diesen Umsturz des betreffenden Artikels aus dem Codex der Gesellschaft zu motivieren, zu entschuldigen und auszugleichen.

Nachdem der Brief geschrieben war, ließ Dolores ihn sogleich bestellen, aß und trank gehorsam, was Ramo ihr auf einem stummen Diener serviert als Abendimbiß gewohntermaßen pünktlich ins Zimmer brachte, und stieg dann herab nach den Gemächern, welche Doktor Ruß mit seiner Frau bewohnte, um auch diese beiden zu ihrem Fest zu bitten.

»Ich habe keine passende Toilette,« erwiderte Frau Ruß kurz und nicht gerade höflich.

»O, ich trage ja auch nur schwarz,« wendete Dolores freundlich ein.

»Natürlich, natürlich,« beeilte Doktor Ruß sich einzutreten. »Du hast dein neues Trauerkleid, liebste Adelheid, und dies bedarf keiner Eleganz.«

»So mein' ich's,« redete Dolores der heftig strickenden Frau zu. »Ich lasse Ihnen durch Therese einen Kreppbesatz aufheften und ein Häubchen bauen – sie macht das wirklich sehr hübsch und elegant.«

»Ich habe keinen Krepp und werde in der Kreisstadt auch keinen bekommen. Außerdem ist er mir zu teuer,« erwiderte Frau Ruß auf das freundliche Anerbieten.