»O, ich habe noch viel davon – Therese brachte mir vom besten aus B. mit,« meinte Dolores.

»Was kostet das Meter?«

»Ich habe keine Ahnung mehr,« lachte Dolores, »das Stückchen Zeug werden Sie doch von mir annehmen, nicht wahr?«

»Selbstverständlich,« schnitt Doktor Ruß eine schroffe Ablehnung seiner Ehehälfte ab. »Wir schätzen Ihre freundliche Hilfe gewiß sehr hoch, liebste Dolores, und ganz besonders ich, da Ihr trefflicher und geschulter Geschmack für meine arme Frau, die ganz außer allen Konnex mit der Mode gekommen ist, nur vorteilhaft sein kann. Und ich liebe es doch so sehr, deine natürliche Schönheit durch die unentbehrliche Folie der Kleidung gehoben zu sehen, meine teure Adelheid!«

Frau Ruß warf ihrem Gatten einen dankbaren Blick zu. Sie war ja, obgleich an Jahren älter als er, doch immer noch eine sehr stattliche Erscheinung, die sich leider äußerlich sehr vernachlässigte – eine Folge des einsamen Lebens im Falkenhof, in dem »einen doch keine Seele sah,« und »für den jeder Fetzen noch gut genug war,« eine Ansicht, welche Doktor Ruß nicht teilte, da er sich stets tadellos kleidete und ihm die saloppe Toilette seiner besseren Hälfte ein Greuel war.

»Was soll ich dabei? Ich verderbe euch nur eure feine Gesellschaft,« brummte Frau Ruß mürrisch, aber nur noch der Form wegen.

»Das thun gebildete Menschen nie, mein Herz,« erwiderte Doktor Ruß taubensanft. Denn abgesehen davon, daß jeder Mensch die Abwechslung liebt, lag ihm thatsächlich viel an ferneren Begegnungen mit dem »Hofe« von Monrepos, um so mehr, als der Erbprinz sich sichtlich für ihn zu interessieren schien.

»Also Sie kommen – und morgen früh mag Therese sich das Kleid holen,« beendete Dolores die Unterredung und erhob sich wieder.

»Wie, Sie gehen schon?«

»Ja – ich bin zwar müde, habe aber Kopfschmerzen und muß im Freien noch etwas umhergehen, ehe ich zu Bett gehe.«