Der Kranke sah Engels, Alfred Falkner und Doktor Ruß der Reihe nach an.

»Warum nicht, lieber Müller? Nur beeilen Sie sich!«

Der Justizrat putzte sein Pincenez, klemmte es auf seine Nase und räusperte sich.

»Nun denn,« begann er, »so erlaube ich mir, Ihnen vor allem mitzuteilen, daß der Freiherr Friedrich von Falkner, Ihr ältester Bruder, lieber Baron, vor drei Jahren schon in Rio de Janeiro an einer akuten Krankheit verstorben ist. Hier sind die betreffenden Papiere darüber!«

»Tot also!« sagte der Kranke leise. »Tot, gestorben vielleicht im Zorn gegen mich. Weiter!«

»Ihm folgte ein Jahr später seine Gemahlin, die Freifrau Tereza von Falkner, geborene Marquesa de Santiago, im Tode, verursacht durch ein jahrelanges Brustübel,« fuhr der Justizrat fort. »Sie starb, ehe sie von einem alten, unvermählten Onkel, dem Grafen Silvio Fernandez, dessen große Besitzungen geerbt hatte.«

»Güter in Brasilien sind so gut wie Güter auf dem Monde,« bemerkte der Kranke verächtlich. »Nun, und das Mädchen?«

»Die Freiin Dolores von Falkner lebt,« berichtete der Justizrat weiter. »Sie kehrte nach dem Tode ihrer Mutter nach Europa zurück, und hält sich momentan in B. auf –«

»Ah,« machte der Freiherr höhnisch, »sie weiß wahrscheinlich mehr von dem Kunkellehen, als du, Alfred!«

»In B. auf,« fuhr der Justizrat fort, »woselbst sie bei der Hofoper als erste Sängerin unter dem Namen Falconieros wirkt. Als solche trat sie erst die große Erbschaft ihres Großoheims an.«