»Ich hoffe, liebe Tante,« sagte sie gewinnend, »daß du und dein Gemahl mir die Freude machen werdet, den Falkenhof so lange als eure Heimat zu betrachten, als es euch gefällt und ihr andere Dispositionen getroffen habt!«

Frau Ruß öffnete den Mund zu einer Entgegnung, aber der Doktor schnitt ihr das Wort ab.

»Wir werden gern von Ihrer Güte Gebrauch machen, liebe Dolores,« sagte er in seiner milden, leisen Weise, indem er ihr die Hand bot.

Sie legte ihre Fingerspitzen leicht in dieselbe.

»O, Sie müssen es nicht so auffassen,« sagte sie freundlich, »es ist ja so natürlich, wenn Sie bleiben. Ich werde jetzt sehen, wo es sich am besten für mich wohnen läßt, und wenn Sie,« fuhr sie zu Alfred gewendet fort, »im Laufe des Nachmittags eine Stunde Zeit haben, Geschäftsangelegenheiten mit mir zu besprechen, so bitte ich um Ihren Besuch!«

Falkner verbeugte sich leicht.

»Ich stehe zu Befehl,« sagte er kühl, »obgleich ich glaube, daß Herr Engels in diesen Angelegenheiten besser bewandert ist, als ich.«

»Vielleicht,« entgegnete sie ruhig. »Überdies bleibt mir für persönliche Dinge ja noch der schriftliche Weg, falls es Ihnen zu große Überwindung kosten sollte, diese mit mir zu besprechen.«

»Ich ziehe das letztere der Kürze wegen vor,« erwiderte er.

Sie wendete sich mit leichtem Gruß ab, aber die zarte Röte auf ihren Wangen war verschwunden. Was für ein Recht hatte dieser Mann, sie zu beleidigen? Er hatte sich ihr feindlich gegenüber gestellt noch ehe er wußte, wer sie war, denn daß es der Erbschaft wegen sein könnte, erschien ihr für einen Mann wie Alfred von Falkner unglaublich. Und doch – Mamsell Köhler, die Beschließerin, machte einen solch tiefen Knicks vor ihrer neuen Herrin, daß diese, verloren in ihre Gedanken, fast über sie gefallen wäre.