Die Grabesruh' der Ahne zu versüßen,
Wenn neu sie auflebt in der Huldgestalt,
Die einst im Brautgewande ward gemalt – –
»Bin ich die letzte Falkin?« murmelte sie schlaftrunken. »Bin ich – –«
Das Wort erstarb auf ihren Lippen – sie war eingeschlafen.
»Ich habe nur einen Moment geschlummert,« sagte sie, verwirrt sich aufrichtend – und zu ihrem Staunen sah sie, daß das helle Sonnenlicht durch die Ritze der Fensterläden auf den Boden fiel.
Daß sie nicht alles geträumt, davon überzeugte sie sich durch das Öffnen der Nische – da lagen Buch und Kapsel, wie sie dieselben gestern Abend hineingelegt. Aber der tiefe, traumlose Schlaf hatte sie nicht gestärkt. Ihr Kopf schmerzte, und sie fühlte ihre Nerven gereizt, sie, die fast allen Strapazen mit ihrem stahlgeschmeidigen Körper Trotz geboten, die mehrere Abende hintereinander Wagnersche Opernpartien mit voller Kraft gesungen hatte, ohne ihre Nerven zu erschüttern.
»Ich war glücklicher, als ich noch nicht die Herrin des Falkenhofes war,« dachte sie schmerzlich. »Da gab es keine Enttäuschung für mich und die Kunst hob mich über die kleinen Miseren des Daseins hinweg, der Neid konnte mir nichts anhaben, denn ich ebnete ihm nicht den Weg zu mir. Hätt' ich wenigstens meinen Flügel hier!« –
Als Engels nach dem Frühstück erschien zu den Geschäften des Tages, sah er forschend auf das bleiche Antlitz seiner jungen Herrin.