»Einen Spaziergang, Herr Graf! Gestatten Sie, daß ich Sie der Freiin von Falkner, jetzigen Lehnsherrin auf dem Falkenhofe vorstelle – Graf Schinga, liebe Dolores!«
Der dürre Riese beugte sich bis auf den Hals seines Pferdes herab. »Furchtbar angenehm, Sie zu sehen, Baronin,« rief er, Dolores mit seinen kleinen, blitzenden Augen musternd. »Schönes Wetter, was?«
»Sehr schön,« gestand sie lächelnd zu. –
»Wir haben eben Ihre Kraft bewundert, Herr Graf,« sagte Ruß. »Ein Hufeisen zerbrechen, als sei es von Biskuit, das imponiert!«
»I, das ist nichts,« meinte Graf Schinga verächtlich, »der Kerl hat mich nur provoziert, zerbricht mir mein schönes Fünfmarkstück mir nichts dir nichts vor der Nase!«
»Und man sagt, unsere Zeit sei arm an starken Männern,« lächelte Ruß. »Man möchte Sie August den Starken nennen, Graf.«
Der Genannte riß seine Augen weit auf, soweit es eben ging.
»I sehn Sie 'mal an, haben Sie den auch gekannt?« rief er erstaunt. »Guter Kerl gewesen, August der Starke! War zehn Jahre Kellner bei Dingsda in Berlin und dick wies Heidelberger Faß – zur Gesundheit, Baronin!«
Dolores dankte wortlos, sie hatte ihr Taschentuch vor den Mund gepreßt und unterdrückte nur mit Gewalt einen unwillkürlichen Ausbruch ihrer Heiterkeit. Selbst Doktor Ruß hatte Mühe, über diese falsche Auffassung seines historischen Citates ernst zu bleiben.
»War, offen gesagt, furchtbar neugierig, Sie zu sehen, Baronin,« fuhr der Graf fort. »Daß es mir heute schon glückte, ist wirklich die Möglichkeit! Na ich sage, Ihre Thronbesteigung hat ein höllisches Geklatsche und Gepatsche verursacht! Hoffe, werden gute Nachbarn werden – mein Gut, Arnsdorf, liegt ja im Triangel mit Falkenhof und Monrepos. Nette Lage das. Wenn's Hoheit beliebt, auf Monrepos zu niesen, sagen wir in Arnsdorf und Falkenhof: Zur Gesundheit.«