»Ja, weiß er denn nicht, daß du hier bist?« inquirierte Frau Ruß weiter.
»I, keine Spur,« versicherte die junge Frau. »Woher soll er's denn wissen? Ich hab's ja niemand gesagt, als ich fortging.«
»Nun, dann brauchte dir ja nicht so furchtbar bange zu sein, wenn Alfred zu Hause war,« setzte Frau Ruß das Gespräch fort.
»Was? Mit Alfred allein bleiben? Schrecklicher Gedanke,« rief Lolo entsetzt. »Ein Ehepaar allein zusammen ist der Inbegriff der Langeweile, das mußt du ja aus doppelter Erfahrung selbst wissen, Mama!«
»Hm! Hm! Hm! Hm!« sang Doktor Ruß eine harpegierte Quart und kicherte lautlos in sich hinein, während über Dolores ein Zorngefühl kam, als müsse sie aufspringen und die kleine Freifrau gründlich beuteln.
»Ich finde, diese Erfahrung kommt für dich etwas früh,« entgegnete Frau Ruß schlagfertig, aber fliegenden Atems vor Erregung.
Lolo Falkner lachte.
»Er ist ja sonst ganz nett,« gab sie großmütig zu, und dann ihre langen Handschuhe zusammenballend und in die Luft werfend, sang sie aus voller Kehle: »Und morgen kommen die Husaren –! – Du, Dolores, morgen kommt auch dein alter Freund, der Kleckser, um mein Gesicht fertig zu pinseln – na, wie heißt er denn gleich?«
»Der Name Johannes Keppler ist von europäischem Ruf,« sagte Dolores finster und steif.
»Als ob mich das verpflichtete, jeden Anstreicher zu kennen,« lachte Lolo in unverändert guter Laune.