»Schon ganz altjüngferlich,« dachte sie zornig. »Und wenn sie Alfred bedauert wegen seiner schlechten Behandlung durch mich, warum hat sie ihn denn nicht geheiratet? Er war ja zu haben, ehe ich in Betracht kam! Wart', Donna Dolores Falconieros, für diese Gardinenpredigt ohne Worte werd' ich dir schon noch einen Schabernack spielen.«

Im Falkenhofe beschäftigte man sich natürlich auch mit dem Paare. Frau Ruß gab ihrem Manne gegenüber ihrer schwiegermütterlichen Entrüstung vollsten Ausdruck – das war der Instinkt, mit dem die Löwin ihr Junges, die Henne ihr Kücken verteidigt, selbst gegen imaginäre Gefahren. Doktor Ruß beantwortete diesen Ausbruch seiner Gattin mit Lächeln und Achselzucken.

»Wenn dein Sohn kein Pantoffelheld ist, so wird er sich schon zu helfen wissen. Sie sind eben noch in den Flitterwochen, die beiden, und trotzdem ich sie für einen kleinen Satan halte, denke ich doch, daß er den Spieß bald umdrehen wird,« meinte der erfahrene Mann.

Doch Frau Ruß war einmal herausgetreten aus sich und ihrem Schweigen, und ihr volles Herz mußte das, wovon es überlief, erst von sich geben.

»Ah, du glaubst, Alfred wird ein Ehemann werden von deinem Schlage,« sagte sie anzüglich, »ein Knechter, ein Unterdrücker, ein unbarmherziger Niedertreter des eigenen Willens und eigenen Fühlens.«

»Ei, ei, Frau Adelheid Ruß, da hört man ja plötzlich eine Meinung von Ihnen,« hohnlachte er, sichtlich sehr amüsiert über dieses Rütteln an den Ketten, diesen Ausbruch lang zurückgehaltenen Unmuts.

»Hab' ich etwa nicht recht?« fragte Frau Ruß. »Hab' ich mich heut' Abend nicht ins Haus schicken lassen müssen von dir, wie ein unartiges Kind?«

Diese Worte machten der Heiterkeit des Doktor Ruß sofort ein Ende.

»Warum hast du mich so unausgesetzt angesehen?« fragte er.

Nun zuckte sie mit den Achseln.