sang sie leise.

Ihm stieg die Zornesröte siedend ins Antlitz, und ein heftiges, böses Wort drängte sich ihm auf die Lippen, aber er bezwang beides.

»Lolo, kannst du ein ernstes Wort nicht auch einmal ernst anhören? Habe ich denn schon ganz aufgehört, dir etwas zu sein?«

»Ach, du guter, alter, dummer Schatz!« lachte sie ihn an, daß alle Grübchen in ihrem reizenden Kindergesichtchen zu Tage traten. »Wann wirst du nur aufhören, ein sentimentaler Ehemann zu sein?«

»Ist das Sentimentalität, Lolo?« sagte er ernst, fast traurig.

»Natürlich, krasse Sentimentalität,« erwiderte sie. »Und nun will ich schlafen gehen, denn morgen kommen die Husaren!«

»Eleonore –!«

»Ja, ja, ja,« rief sie und hielt sich die Ohren zu. »Ich weiß schon, was du sagen willst, aber es soll doch eine lustige Zeit werden, denn tel est mon plaisir!«

Da verließ er sie, zornig, betrübt und empört zugleich und saß die ganze Nacht auf und sann, und ging mit sich zu Rate, was hier zu thun seine Pflicht sei, denn er durfte sie diese schiefe Ebene nicht weiter gehen lassen, damit sie nicht ins Rollen kam und am Abgrund keinen Halt mehr hatte. Er hatte in den schönen, stolzen Zügen von Dolores gelesen, wie sie über das Wesen und Gebaren seiner jungen Frau dachte, aber er hatte darin auch zu lesen geglaubt, daß sie ihn verantwortlich machte dafür, und dieser Gedanke gab ihm neue Kraft, wenn der gerechte Zorn über Lolo ihn übermannte und er das übermütige kleine Geschöpfchen als unverbesserlich beiseite schieben wollte.

»Noch drei Wochen, und ich bin wieder allein mit ihr, und dann will ich mit leiser, zarter Hand, daß sie's nicht merkt, die wilden Schößlinge in ihrem Charakter zu veredeln suchen,« dachte er mit dem festen Vorsatz eines Mannes, der die Pflicht zur Richtschnur genommen hat und weder rechts noch links sehen will. Aber er dachte es auch mit jener souveränen Zeitbestimmung der Menschen, welche ihr »Ich werde es thun« aussprechen, als wären sie der Ausführung ihres Vorsatzes sicher. Hätte Falkner gewußt, wie es in drei Wochen hüben wie drüben aussehen würde – doch auch Lolo dachte an jenem Abende noch an Dolores, denn wie sie vor den Spiegel trat, da fiel ihr ein, wie die Lehnsherrin vom Falkenhof bei ihren unbesonnenen, vielleicht wirklich nur halbgemeinten Worten sie angeschaut – vorwurfsvoll und mit unverhehlter Verachtung, wie sie meinte.