Falkner glaubte jetzt zu verstehen, denn seine Frau besaß solche Figuren, welche eine Feder in die Höhe schnellte, wenn man den Kasten öffnete, in welchem sie sich befanden.
Eine solch' vergnügte Gesellschaft hatte der Falkenhof seit Jahrzehnten nicht beherbergt, wie heute, denn die Speisen waren gut und die Weine aus den tiefen, kühlen Kellern vortrefflich. Außerdem dufteten die Rosen in den Aufsätzen von Silber und altem Meißner Porzellan, und um die Tafel saß ein Teil der goldenen Jugend der großen Armee, an ihrer Spitze aber als Hausfrau und Wirtin Dolores Falkner – da hätte schon viel dazu gehört, um die allgemeine frohe Manöverstimmung herabzudrücken.
Die Toaste, welche außerdem noch ausgebracht wurden, trugen durch den Brauch, allemal dabei auszutrinken, wesentlich zur Erhöhung der rosigen Stimmung bei. Erst erhob sich der Kommandeur und dankte der Schloßherrin für die vortreffliche, fast fürstliche Aufnahme seiner selbst und seiner Offiziere im Falkenhof, deren Jäger immer noch hofften, ihr den lang umpürschten Steinadler als Geburtstagsgeschenk nachträglich überreichen zu dürfen. Dann ließ Graf Schinga Dolores als Nachbarin leben in ebenso kunstlosen wie unverständlichen Redewendungen, worauf Doktor Ruß ein kleines Meisterwerk von Rede vom Stapel ließ. Zuletzt aber schlug Falkner an sein Glas, erhob sich, und rief, es hoch empor hebend: »Der Herrin vom Falkenhof!«
Dolores wußte wohl, was dieser kurze Toast für sie bedeutete – eine Anerkennung ihrer Rechte, eine Abbitte zugefügten Unrechtes, den Schlußstein zu der Brücke, welche über den Abgrund führte, der einst beide getrennt. Beglückt, umbraust von dem dreifachen Hoch ihrer Gäste, erhob auch sie sich und ließ ihr Glas mit dem Falkners zusammenklingen.
»Hie guet Falkner alleweg!« sagte sie mit dankbarem Herzen.
»Es trafen sich die Gläser und gaben guten Klang,« summte Doktor Ruß vor sich hin, als die geschliffenen Krystallkelche leise und hell zusammenstießen.
»Prosit, Dolores,« rief Lolo herüber und streckte die Hand mit dem gefüllten Glase aus. Die Gerufene dankte lächelnd, berührte leicht das hingehaltene Glas mit dem ihren und klirr – – lagen beide Gläser zersprungen und zersplittert auf dem weißen Tafeltuch.
»Das haben wir aber geschickt gemacht,« lachte Lolo, während Gräfin Schinga, welche vielem Aberglauben huldigte, entsetzt die Hände faltete.
»Thut nichts, wir haben mehr von dieser Sorte,« nickte Dolores, welche in dieser Beziehung keine Vorurteile hatte, aber das brechende Glas hatte ihre Nerven für einen Moment doch ins Schwanken gebracht.
Nach beendigter Tafel sollte der Aufzug der Dorfbewohner vor der Terrasse stattfinden, darauf aber ein Feuerwerk abgebrannt werden, das die Beamten des Lehns ihrer Herrin stifteten. Ehe man aber heraustrat, kam Dolores an Lolo heran und reichte ihr die Hand.