»Dann war's ein Meineid wie jeder andere,« entgegnete er. »Oder hältst du einen Gott geleisteten Eid für geringer, als einen solchen vor Gericht?«

»Ich weiß nicht,« erwiderte sie verwirrt. »Das ist zu hoch für mich. Aber Dolores Abbitte leisten – – niemals!« setzte sie eigensinnig hinzu.

»Warum hast du denn diese Unterredung gesucht, wenn du das Begangene nicht gut machen willst?«

»Weil mir an deiner Meinung etwas liegt – an der von Dolores nichts.«

»Es gehört aber zu meiner guten Meinung, daß man seine Schuld durch ein freies, ehrliches, offenes Wort bekennt und wieder gut macht. Was nützt mir alles Trotzen und Debattieren, wenn man dazu den Mut nicht hat?« fragte Falkner sehr bestimmt.

Doch es war nichts auszurichten – sie blieb eigensinnig bei ihrer Weigerung, trotzdem sie sah, daß es ihn verstimmte und abstieß. Infolgedessen entschloß er sich, dem Falkenhofe fern zu bleiben, machte aber Lolo, um es ihr ganz leicht zu machen, den Vorschlag, eine Zeile an Dolores zu schreiben.

»Die Tochter des Herzogs von Nordland entschuldigt sich nicht bei ihres Vaters Unterthanen,« brauste die »Durchlaucht« in der jungen Frau auf.

»Dann mußte die Tochter des Herzogs von Nordland auch keinen seiner Unterthanen heiraten,« gab Falkner gereizt zurück, und wünschte trotz aller guten Vorsätze und blindestem Pflichtgefühl, zum erstenmal unverhohlen vor sich selbst, daß es in der That so gewesen wäre. Er hielt unter diesen Umständen eine Annäherung an Dolores für die Zukunft für ausgeschlossen, und da es ihm nicht einfallen konnte, vor der Welt mit seiner Frau zu brechen, so mußte er dem Falkenhofe gleichfalls fern bleiben. Er schrieb deshalb an Dolores, zerriß den Brief aber in mehreren Concepten, denn es hatte sich zwischen die Zeilen desselben jedesmal ein warmer Ton geschlichen, den er vermeiden wollte, weil er vor dem strengen Richterstuhl seines Gewissens nicht bestehen konnte. Er hielt daher Keppler an, ehe dieser zur Sitzung nach dem Falkenhofe hinüberging, teilte ihm das Notwendigste mit, nämlich, daß seine Frau ihren unpassenden Scherz nicht als solchen einsehen wollte und er infolgedessen den Falkenhof nicht besuchen könnte, da er sich von seiner Frau nicht trennen wolle und dürfe. Er bat Keppler, Dolores dies zu sagen mit seinem tiefsten Bedauern, diese Maßnahmen ergreifen zu müssen.

»Schreiben Sie das lieber, Falkner,« meinte Keppler.

»Nein. Es ist besser so,« entgegnete er, und Keppler ging, aber der Auftrag war ihm peinlich, und er entledigte sich seiner auch erst gegen das Ende der Sitzung. Der Ausdruck von Schmerz und Qual in dem schönen Antlitz der Lehnsherrin, der seiner Mitteilung folgte, erschreckte ihn tief, aber er sagte nichts, da auch sie nichts erwiderte. Doch als die Sitzung schloß und sie die Estrade verließ, sagte sie: