»Wenn Sie einen Augenblick warten wollen, Herr Professor, bis ich mich umgekleidet habe, so will ich Sie nach Monrepos begleiten.«
»Sie wollen nach Monrepos – Sie?« fragte er erstaunt.
»Ja,« erwiderte sie fest. »Soll ich die Eris sein, welche den Zankapfel wirft in diese Ehe? Da sei Gott vor, und wenn ich einen Bruch da drüben verhüten kann und ich thäte es nicht – wie könnt' ich das im Jenseits verantworten?«
»Es wird nicht jeder so groß denken,« sagte Keppler bewegt.
»Ich sehe nichts Großes darin, nur das rein Menschliche.« Sie nickte müde, und rauschte in ihrer goldgestickten Schleppe hinaus, die Kleider zu wechseln, während er noch an der Stickerei und den Spitzen auf dem Gemälde weiterarbeitete. Als er dann die Palette beiseite legte und hinunterging, fand er Dolores schon wartend, und schweigend schritten sie über das Bowling-green nach der Allee, welche nach Monrepos führte. Endlich brach Keppler das Schweigen.
»Ich habe noch gar nicht einmal gefragt, wie Sie sich heut' fühlen.«
»Besser und weniger matt,« erwiderte Dolores in Gedanken.
Da blieb Keppler stehen.
»Hätte ich doch das Recht, ein offenes Wort mit Ihnen zu sprechen,« rief er, sichtlich erregt.
»Das Recht gebe ich meinen Freunden gern,« sagte sie erstaunt, aber freundlich.