»Das verstehe ich nicht,« sagte Dolores kühl und verwundert.

»Dolores, Sie müssen mich verstehen,« rief er beschwörend.

»Nein,« wiederholte sie kurz und kühl.

Da rang er mit sich einen kurzen Augenblick.

»Dolores,« sagte er dann leise und schnell, »ich weiß, wie es mit Ihnen und Falkner steht – er hat sich bei der Scene mit der Schlange unbewußt verraten – Sie schon früher. Ich habe alles gesehen. –« –

»Sie haben Gespenster gesehen, Herr Professor Keppler und überschreiten das Ihnen erteilte Recht eines offenen Wortes in unverantwortlicher Weise,« unterbrach sie ihn, blaß bis an die Lippen, aber fest, kalt und hochmütig, doch in ihrem Herzen rang der Schrei sich los: »Um Gott, ist es so weit gekommen, daß das Tote wieder erwacht und sich aus mir verrät? Und aus ihm?«

Und wie der echte, rechte Mut zu wachsen pflegt im Augenblick der Gefahr, wie Heldenherzen lieber gegen sich selbst den Stoß richten, ehe sie wanken und irren, so fand auch Dolores in diesem Moment den Mut der Selbstentäußerung, denn ehe Keppler noch etwas erwidern konnte, fuhr sie schon fort:

»Und dies Überschreiten Ihrer Rechte zwingt mich, Ihnen ein Geheimnis preiszugeben, dessen Wahrung ich Ihrer Ehre anvertraue – ich werde mich mit dem Erbprinzen von Nordland vermählen!«

Wieder blieb Keppler stehen – vernichtet, betäubt.

»Die morganatische Gemahlin eines regierenden Duodezfürsten – dazu sind Sie zu schade!« brach er dann los.