»Ich werde gleich hinüberfahren nach Arnsdorf und die Gräfin selbst holen,« meinte Falkner aufstehend. Dolores war sehr erfreut über Falkners Bereitwilligkeit und versicherte ihm mit mattem Lächeln, es sei sehr gütig von ihm.
Lolo, froh, auf so gute Manier aus der »langweiligen Bude,« wie sie den Falkenhof nannte, heraus zu können, schloß sich ihrem Gatten an, und Dolores war wieder allein.
Aber nur wenige Minuten, da klopfte es leise und Frau Ruß trat hinein, schüchtern fast, denn sie hatte Dolores seit dem vorigen Abend nicht wiedergesehen und wurde selbst ganz blaß bei dem Anblick der weiß eingehüllten, durchsichtigen Erscheinung ihrer Nichte. Dolores selbst hatte das Entsetzen noch nicht vergessen, das diese Frau ihr gestern Abend eingeflößt durch ihren Blick, und darum klang ihr erzwungener Willkommsgruß vielleicht kälter und kürzer, als sie selbst gewollt.
»Mein Mann ist noch nicht zurück aus der Stadt – der Arzt muß also auswärts gewesen sein,« sagte Frau Ruß fast schüchtern.
»Wahrscheinlich. Er kann mir ja doch nichts nützen,« erwiderte Dolores.
»Nein,« stimmte Frau Ruß bei, »der kann dir nichts nützen. Du mußt einen anderen Arzt haben. Darf ich für dich an X. nach Berlin schreiben? Er wird gewiß dann bald kommen?«
»O, das ist überflüssig. Es wird schon von selbst wieder werden,« entgegnete Dolores gleichgültig.
»Nein, du darfst das so nicht hingehen lassen,« rief Frau Ruß dringend, »wirklich nicht! Laß mich an den Arzt schreiben, oder besser noch telegraphieren.«
»Das würde mich sofort mit dem behandelnden Arzte überwerfen – wir müssen sein Gutachten erst abwarten,« sagte Dolores kurz.