»Ich werde mir ein paar rohe Mandeln zum Knuspern mitnehmen,« unterbrach Frau Ruß diese Bewunderung eines Leutnantsmagens, hervorgegangen aus der völligen Unkenntnis dieses oft verblüffenden Organs. Und mit diesen Worten öffnete sie eine der Porzellantonnen und griff tief in dieselbe hinab.

»Das sind ja bittere,« rief Mamsell Köhler warnend, indem sie die Kaviarschüssel mit Citrone und Petersilienbüscheln garnierte.

»Ach so – ich habe mich versehen,« erwiderte Frau Ruß, und ließ den Inhalt ihrer Rechten ungesehen in die Kleidertasche gleiten. Dann entnahm sie der Tonne mit der Aufschrift »Knackmandeln« eine Handvoll der großen, süßen Früchte, nickte Mamsell Köhler zu und ging in ihr Zimmer zurück, wo sie die Schalmandeln ruhig in ein Kästchen that und die »irrtümlich« ergriffenen und behaltenen bittern Mandeln hervorholte. Auf einem saubern Papier unterzog sie sich der Mühe, die Mandeln mit einem Federmesser zu schaben, und hatte dann die feinen Spänchen eben in ein Musselinläppchen gebunden und in ein Viertel Wasserglas voll Wasser gelegt, als der Tamtam durch den Falkenhof dröhnte zum Zeichen, daß der Lunch serviert sei. Schnell schloß sie das Glas fort in ein Schränkchen, ordnete ihren Scheitel, wusch die Hände und ging nach dem Speisesaal, wo sie an Stelle ihrer Nichte der Tafel präsidierte.


Am Nachmittage kam Falkner mit Lolo von Monrepos herüber, um sich nach dem Befinden von Dolores zu erkundigen und fanden sie, trotz des warmen Wetters fröstelnd in ein großes, weiches Tuch aus weißer Wolle gehüllt, in ihrem Salon vor, »blaß und durchsichtig wie ein schönes Gespenst; – wie die ›Traviata‹ im letzten Akt,« sagte Lolo Falkner später zu ihren Gästen.

Falkner war tief erschüttert von diesem Schattenbilde der einst so strahlenden Dolores und wollte gleich wieder gehen, um sie ruhen zu lassen.

»Ach nein, bleibt nur,« bat sie. »Ihr wißt, daß die Einsamkeit mir sonst so lieb ist, aber heut' habe ich mich förmlich vor ihr gefürchtet. Ich bin so schrecklich allein –«

Falkner wußte, daß seine Mutter nicht die Sympathien von Dolores hatte, darum brachte er sie nicht als Gesellschaft in Vorschlag.

»Wenn du die Gräfin Schinga zu dir herüberbitten wolltest – sie käme gewiß gern,« meinte er.

»O ja, ich habe an sie noch nicht gedacht,« sagte Dolores, angeregt von der Idee. »Sie müßte nur nicht verlangen, daß ich spreche,« setzte sie hinzu, »denn ich bin so müde – –«