»Kalbsgehirn,« interpretierte man die bezeichnende Bewegung.
»Jawohl,« sagte der Erzähler freudig, aber nun war es vorbei mit aller Fassung und ein brausendes Gelächter versenkte auf ewig die »kapitale Geschichte« in das Meer der Vergessenheit. Der Graf nahm auch den Fund von Kalbsgehirn und Ochsenzunge bei ihm selbst gar nicht übel, er war froh, daß er schweigen durfte und den guten Sekt trinken.
»Und nun der Vortrag des Doktor Ruß,« rief Lolo, als das Lachen sich gelegt hatte.
»Er ist noch nicht ausgearbeitet,« wehrte der Angeredete ab.
»Ich höre hübsche, nette Geschichten für mein Leben gern,« gestand der Kommandeur. »Es hört sich so behaglich zu, besonders hier im Freien, eine gute Cigarre dazu als Würze. Wer erzählt noch eine Geschichte?« rief er laut.
»Ich,« sagte Frau Ruß in das allgemeine Schweigen hinein.
»Du? Liebes Weib, du scherzest,« flötete Doktor Ruß taubensanft.
»Frau Ruß hat das Wort,« sagte der Kommandeur erstaunt, aber sehr höflich, und alles lauschte gespannt, was wohl diese Frau, welche immer die Rolle der Stummen spielte, erzählen könnte.
Frau Ruß aber suchte mit den Augen ihren Sohn und nickte ihm zu, dann richtete sie die Augen auf das Wasser und begann:
»Es war einmal eine Frau –«