»Kennen Sie diesen Brief?« rief Dolores, das Blatt hervorziehend, das Frau Ruß ihr gegeben.
Da wurde er so bleich, daß seine Farbe ins Grüne überspielte, aber er hielt sich tapfer.
»Ihre Handschrift, Dolores.«
»O ja – insoweit vortrefflich kopiert,« entgegnete sie bitter. »Ein Autograph von mir selbst – ein sinniges Gastgeschenk von Ihnen. Aber es liegt mir nichts daran, den Namen Falkner durch den Schmutz eines langen Kriminalprozesses zu schleifen, und darum stelle ich Sie vor die Alternative, entweder Ihre Intentionen auszuführen, welche dann zweifellos zu Ihrer Verhaftung führen würden, oder aber eine von mir ausgesetzte Rente im Auslande zu verzehren. Sie haben also die Wahl und können sich's bis morgen überlegen. Und nun gehen Sie!«
Aber er rührte sich nicht.
»Ich bewundere Sie schon lange,« sagte er ironisch, »aber heute bewundere ich einen noch nie geahnten Charakterzug in Ihnen: den, peremptorischer Kürze und eines wahrhaft souveränen Willens. Schade nur, daß derselbe mir nicht in der Weise imponiert, als er vielleicht sollte.«
»Doktor Ruß,« sagte Dolores mühsam beherrscht, »ich sagte Ihnen schon, daß meine Konversation mit Ihnen beendet ist. Verlassen Sie mich – ich wünsche allein zu sein.«
Jetzt aber warnte sie ein seltsames Glitzern in seinen Augen, auf ihrer Hut zu sein.
»Gehen Sie,« wiederholte sie, indem sie die Pistole aus ihrer Tasche zog und den Hahn spannte. »Gehen Sie – oder bei Gott, ich schieße Sie nieder wie einen tollen Hund, wenn Sie das Zimmer nicht verlassen haben, bis ich drei gezählt –«
»Hoho! Ich denke, Brasilianerinnen führen nur ein Stilett,« höhnte er, ohne sich zu rühren.