»Nicht doch – wenigstens schieße ich besser als Sie,« erwiderte sie vollkommen kalt und besonnen und begann zu zählen: »Eins – zwei –«

»Ich gehe,« sagte er, etwas bleicher werdend, »denn wenn man wehrlos ist, kann ein Rückzug nicht für Feigheit gelten. Und,« setzte er salbungsvoll hinzu, »und obwohl diese Bedrohung meiner Person –«

»Notwehr!« fiel sie kühl ein.

»... die Bedrohung meiner Person ein teurer Spaß für Sie werden könnte, so will ich dennoch keine Schritte thun, dieselbe zu ahnden,« vollendete er. »Denn,« setzte er hinzu, »denn ich hege keinen Groll gegen Sie und vergebe Ihnen, teure Dolores.«

Und damit ging er mit einer tiefen Verbeugung.

Aber als dieser künstliche Nervenreiz verflogen war, brach Dolores zusammen. Sie hatte nur noch Zeit, Frau Ruß zu fragen, ob sie alles gehört, und als diese bejahte, sagte sie:

»So sage es Alfred, genau Wort für Wort, wenn er herüber kommt.«

Dann fiel sie in eine ohnmachtsähnliche Lethargie – Fieber stellte sich ein und Frau Ruß durchwachte mit Tereza eine angstvolle Nacht an ihrem Bette.

***

Als Falkner am folgenden Mittag, nachdem er Stunden mit sich allein verlebt, erschöpft an Leib und Seele, alles Traurige mit Kepplers Hilfe besorgt und angeordnet hatte, als er noch einen Blick warf auf seine tote Frau, welche im weißen Sterbehemd auf ihrem Bette lag, im Haare einen Kranz von weißen Rosen, von jenem Boule de neige, den der Herzog so sorgsam veredelt, da ging er hinüber nach dem Falkenhof, denn sein Instinkt sagte ihm, daß man dort seiner bedurfte.