In Rom, der ewigen Stadt, wurden sie vermählt und blieben an der Stätte ihres ersten, stillen Glückes monatelang, bis die Osterglocken verklungen waren und das Pfingstgeläute sie zurücklockte in die deutsche Heimat, in die grandiose grüne Waldeinsamkeit des Falkenhofes, des vielgeliebten.

Hier aber ward zum Erntefest ein Erbe getauft, ein junger Falke, ein kräftiger Sproß am alten Stamm.

Und heut' war Dolores zum erstenmal hinausgegangen zur Gruft, einen Akt der Pietät zu erfüllen an der Ahnfrau, deren Hand so wunderbar eingegriffen in ihr Geschick, und an der unseligen, so vorzeitig geknickten Menschenblume, die ihres Gatten erste Frau gewesen.

Langsam und schweigend schritten sie durch die schattige Eichenallee zurück zu dem Falkenhofe, noch ganz erfüllt von dem Wunderbaren, das sie unten erlebt in der stillen, kühlen Gruft. Und sie kamen überein, daß sie niemand davon sagen wollten, damit nicht am Ende noch Spott oder eine nüchterne, wissenschaftliche Erklärung den Hauch der Weihe abstreifte, der unten über sie gekommen.

Als sie aber vor der Terrasse anlangten, da hatten sie ein liebliches Bild, das sie ganz ins volle Leben zurückführte und ihnen das Herz in stolzem Glücke klopfen ließ – denn da stand eine lachende Wärterin in der malerischen Tracht ihrer Heimat und hielt auf den Armen ein schneeweißes Bündel von Spitzen, das mit blauen Schleifen umbunden war, und aus dem Bündel guckte ein kleines Köpfchen hervor mit goldblondem Haar und ein paar rosigen Fäustchen – –

Daneben saß Frau Ruß, über einem Kinderjäckchen strickend, aber ihr sonst so kaltes, ausdrucksloses Gesicht strahlte vor innerer Freude wie verklärt und in ihren lichtblauen Augen leuchtete es mild und weich wie nie vorher. Und sie kann wohl ruhig aussehen und zufrieden, denn der Falkenhof ist ihre Heimat und die Liebe ihrer Kinder thaut alles auf, was noch als Eis um ihr Herz gelegen hat – und – Doktor Ruß lebt in Australien, als hochgeachteter Mann und Träger einer Würde, von seiner Revenue, die ihm alljährlich aus dem Falkenhofe zufließt.

Vor dem kleinen Werner Falkner aber steht auch der alte Engels und schmunzelt vergnüglich und hält den Atem an, als könnte der schon dem Edelfalken vor ihm schaden. Und als er die schönen, stolzen Eltern dieses kleinen Wunders erblickte, da schwenkte er den alten Filz und rief ihnen lachend und gerührt zugleich entgegen:

»Hurra, es lebe der Sproß des prophezeiten tausendjährigen Reiches der Falken. Und wenn's auch etwas kürzer wird, was thut's? Denn unsere Augen sehen sie noch blühen, die Falkner vom Falkenhof!«

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