»Ja, wenn Sie sich noch in den Reichstag, oder ins Abgeordnetenhaus wählen lassen wollten, aber so –!« Und Engels zuckte mit den Achseln und erklärte Dolores innerlich für »meschugge.«
Und doch wußte sie, was sie mit diesem lächerlichen Kaufe that, denn auch sie war, wie alle Welt, von den derangierten Verhältnissen des Grafen unterrichtet, sowie von seiner dadurch bedingten, krampfhaft und chronisch gewordenen Eigentümlichkeit, alle Welt anzuborgen (pumpen nannte er selbst diesen Vorgang). Um diesen unvermeidlichen Akt in eine andere Form zu kleiden und ihm zuvorzukommen, proponierte Dolores dem Grafen den Kauf der Schindmähre und bat ihn, den Preis selbst zu fixieren. Da nun Graf Schinga überzeugt war, daß Dolores versuchen würde, von der genannten Summe nach dem Grundsatze: »Sagt er zwölfe, meint er zehne, will er acht haben – sechs ist's wert, vier möcht' ich geben, biet' ich zwei« – einen beträchtlichen Teil abzuhandeln, so nahm er den Mund gleich ordentlich voll und forderte den exorbitanten Preis, der Engels in helle Wut versetzt hatte. Aber Graf Schinga blieb einfach der Mund offen stehen, als Dolores sich, ohne zu zucken, mit der Summe einverstanden erklärte – er fuchtelte mit den langen Armen umher, schlug sich auf die Kniee, daß es knallte und – schämte sich eigentlich »kolossal.«
»Nee, nee!« schrie er endlich, »das geht nicht! Soviel können Sie dafür nicht geben!«
»Doch,« erklärte Dolores etwas von oben herab. »Sonst müßte ich ja glauben, daß Sie mich hätten übervorteilen wollen.«
Darauf wurde Graf Schinga ordentlich rot, denn seinen »Schmu« hatte er ja machen wollen, das »stimmte wie Apfelkuchen mit Schlagsahne,« und wenn er sich nicht bloßstellen wollte, mußte er dies Geld einfach nehmen. Und er nahm es auch. Dolores aber hatte dadurch wirklich den gefürchteten Borg verhindert, denn nach diesem Kauf noch damit zu kommen – das that selbst ein Graf Schinga nicht.
Aber er that etwas anderes mit dem Gelde – er erklärte, davon eine »kolossal noble Gesellschaft, das reine Katzenschießen« geben zu wollen. Er fuhr also zum Zweck der nötigen Einkäufe nach Berlin, verspielte dort zwei Drittel des Geldes, vergeudete von dem übrig gebliebenen die Hälfte und kam dann mit einem Riesenkater, sowohl physischem als moralischem, nach Hause. Der erstere hielt aber bedeutend länger vor.
Jedenfalls waren das Resultat dieser Kunstreise Einladungen auf steifstem Kartonpapier, welche im »Triangel« versendet wurden, und nach deren Tenor Graf und Gräfin Schinga sich die Ehre gaben, zur Soiree – u. s. w. u. s. w. ganz ergebenst einzuladen. Auf der an Dolores adressierten Karte hatte die Gräfin in Parenthese bemerkt, daß die Schlangen für diesen Abend in einem verschlossenen Kasten beim Inspektor aufbewahrt werden würden, und Graf Schinga hatte in seiner unbehilflichen Sextanerhand dazugeschrieben: »Sagen Sie um Gottes willen diesen sauren Mops nicht ab – es giebt Hummern und kein solch verächtliches Zeug, wie deutschen Sekt, sondern Röderer carte blanche.«
Dolores lachte Thränen über diese vorgehaltene Lockspeise, aber Engels, der gerade dabei war, als die Einladung ankam, sagte wütend:
»Ei behüte, wir haben ja das Pferd dafür,« erwiderte Dolores, und sagte dann ernster: »Hören Sie, Engels, ich habe schon daran gedacht, Arnsdorf zu kaufen. Was meinen Sie dazu?«