»Wenn Sie's so billig kriegen können, wie das Pferd –«

»Ah, das war ein Extravergnügen.«

»Na, warten wir damit, bis es subhastiert wird, dann ist's ja am Ende keine so üble Erwerbung,« schlug Engels vor, und Dolores beugte sich gern seiner besseren Einsicht und Erfahrenheit.

Natürlich war das Fest bei Schingas ein glänzendes Unikum. Abgesehen von der schäbigen Eleganz der Einrichtung des wackeligen Arnsdorfer Herrensitzes, abgesehen auch von dem Umstande, daß das Abstäuben selbst an diesem Tage als rein äußerlich für unnötig befunden ward, brachte der Abend nur Überraschungen, wie alte Kochtöpfe als Sektkühler neben den schwersten Silberschüsseln, verbogene Hornmesser neben prachtvollen Bestecks, und in den herrlichen Damasttafeltüchern Mäuselöcher und Messerschnitte. Daß die berühmten Hummern unaufgeschlagen erschienen, soll nur nebenbei erwähnt werden, da es schon in größeren Häusern ähnlich passiert sein soll, aber daß die kleinen Rosinen im Apfelmus sich als schnöde darin ertrunkene Fliegen erwiesen, als man der Sache auf den Grund ging, war doch schon eine stärkere Zumutung, die allein die Spitze verlor durch den unleugbaren Umstand, daß alles mit dem freundlichsten Gesicht von der Welt gegeben ward und die Wirte selbst ersichtlich ahnungslos darüber waren, daß es bei ihnen so ganz anders war, als sonstwo.

Prinzeß Lolo wollte sterben vor Lachen über alles was sie sah und genoß, oder vielmehr genießen sollte, denn es war wirklich nicht alles dafür geeignet, und Falkner hatte alle Mühe, laute Lachsalven und leise sein sollende Bemerkungen seiner übermütigen Braut durch Bitten zu dämpfen oder im Sinne von »Europens übertünchter Höflichkeit« auszulegen, denn wenn jemand uns etwas bietet mit der ersichtlichen Überzeugung, sein Bestes gethan zu haben, und wäre dieses Beste auch wirklich mehr außergewöhnlich und grotesk als unseren Lachmuskeln zuträglich ist, so haben wir immer noch nicht das Recht, den Geber ins Gesicht zu verhöhnen, selbst wenn wir die löbliche Absicht haben, ihn hinter seinem Rücken lächerlich zu machen. Im Grunde genommen ist eins so jammervoll wie das andere, aber obgleich das erstere noch wenigstens Mut bezeugt, so ist es doch peinlich für den Dritten, und so erging's Falkner auch bei den rücksichtslosen Heiterkeitsausbrüchen seiner kleinen Braut, und aus dem peinlichen Gefühl wurde heller Ärger, als er sah, wie sie sich, eines besseren Publikums sicher, an Dolores wandte, und diese, errötend über die taktlos lauten Witzeleien, auf dieselben nicht nur nicht einging, sondern sie sogar sehr kühl und entschieden ablehnte. Obgleich der herrschende Ton dieses Festes zwanglos und heiter war, so atmete Falkner doch auf, als die Wagen von Monrepos vorfuhren und der Abend damit ein Ende nahm. Und beim »Gute Nacht,« als Dolores ihm freundlich die Hand reichte, sagte er ihr: »Wenn Sie wüßten, wie oft ich Ihnen schon im Herzen abgebeten habe –«

»Aber wir haben ja abgemacht, am Vergangenen nicht mehr zu rühren,« sagte sie lächelnd und mit bittendem Blick.

»Ich meine ja nur so, Cousine, weil Sie meine Braut heut' vor ihrem Übermut bewahrt haben. Ich habe es wohl beobachtet.«

»O, das wird niemand scharf auffassen,« entgegnete Dolores, »denn Prinzeß Eleonore ist noch so jung, so voll von Lustigkeit –«

»Und Sie schon so alt und gesetzt!« erwiderte er scherzend.

Da lachte sie doch, trotz ihrer Bemühung, die Mißstimmung Falkners zu besänftigen.