Da riß Prinzeß Lolo sich los aus den Schwesterarmen und stand nun sprühenden Auges, mit geballten Fäustchen vor den beiden.

»Nun hab' ich's satt, das ewige Schulmeistern und Sittenpredigen,« sprudelte es rapid über ihre Lippen. »Eben weil ich eine Braut bin, verbitte ich's mir, eben weil ich Braut bin, kann ich sein wie ich will. Ich will hinaus aus eurem ledernen Zwange, aus der tödlichen Langeweile eures lächerlichen kleinen Hofes, und weil ich mich nicht in eine eben solch' blödsinnige Mausefalle sperren lassen will, heirate ich mir statt eines dummen Prinzen lieber den da, als dessen Frau ich wenigstens thun kann, was mir paßt und was ich mag!«

»Nun, nun, Lolo, ich denke doch, du heiratest den Baron, weil du ihn so recht von Herzen lieb hast,« sagte Prinzeß Alexandra sanft, als ihre Schwester atemlos schwieg.

»Natürlich, deswegen auch,« rief die kleine Durchlaucht mit einem raschen Blick auf Falkner. Sie war über und über rot geworden.

»O nein, nur deshalb« meinte die ältere Schwester mit einem bittenden Blick, der die ganzen Unabhängigkeitsgefühle in der kleinen Furie wieder entfesselte.

»Ich will nicht geschulmeistert werden, und was ich gesagt hab', das hab' ich gesagt,« zischte sie und flog dann ohne weiteren Gruß von dannen und in ihr Zimmer, wo sie sich durch das Zerschlagen einiger kostbaren Nippes wesentlich erleichterte. Prinzeß Alexandra aber blickte Falkner trüben Lächelns an.

»Da werden Sie noch viel zu erziehen haben, trotz meiner redlichen und unverdrossenen Mühe,« sagte sie leise.

Er küßte ehrfurchtsvoll die warm gebotene Hand.

»Das ist gärender Most, Durchlaucht,« erwiderte er gegen seine bessere Überzeugung, denn was sollte er sonst sagen? »Aber ich will dafür sorgen, daß es klarer, goldiger Wein wird,« setzte er, sich mit Gewalt bezwingend, in ehrlichster Meinung hinzu.

»Gott geb's!« seufzte sie.