»Die Einladungskarten werden jedenfalls zur rechten Zeit hier eintreffen,« schloß er, »aber ich denke, der Herzog wird noch vor seiner Abreise von Monrepos Gelegenheit nehmen, davon zu sprechen, das heißt seine Einladung persönlich anbringen.« –

Frau Ruß strickte ihre Nadel ab, an deren Maschen sie eifrig zählte. »Dreiundzwanzig – vierundzwanzig,« schloß sie und ließ dann das Strickzeug sinken, um auf die Einladungsfrage einzugehen. Diesen Moment aber hatte Doktor Ruß sehr wohl abgepaßt.

»Wäre es nicht besser, lieber Alfred,« begann er, »wenn du drüben in Monrepos einen Wink darüber fallen lassen könntest, daß die Einladung besser ganz unterbleibt? Du würdest dadurch deiner Mutter den peinlichen Moment der Entschuldigung über ihr Fernbleiben von deiner Hochzeit ersparen.« –

Frau Ruß hatte ihren Gatten, während er sprach, angesehen, ohne ihn zu unterbrechen. Jetzt nahm sie mit einem Ruck ihr Gestrick wieder auf, doch um ihren festgeschlossenen Mund zuckte es seltsam.

Falkner aber hielt sein Erstaunen nicht zurück.

»Warum willst du meiner Hochzeit nicht beiwohnen, Mutter?« fragte er.

Wieder öffnete Frau Ruß den Mund zur Antwort und wieder übernahm Doktor Ruß dieselbe.

»Deine Mutter hat drei Gründe für ihre Weigerung,« sagte er. »Erstens sind wir pekuniär nicht so gestellt, um die für einen solchen Tag und an solchem Orte nötigen Ausgaben für Reise, Kleider etc. bestreiten zu können.« –

»Nun, meine Mutter wird die Deckung dieser Auslagen von mir in diesem Falle wohl annehmen,« fiel Falkner dem Redner ins Wort.

»Zweitens,« fuhr Ruß unbeirrt fort, abermals eine Antwort seiner Frau abschneidend, »zweitens will deine Mutter einer derartigen Feier niemals ohne ihren Gatten – meine Wenigkeit – beiwohnen.«