»Mit einem armseligen ›vielleicht,‹« sagte sie leise.

»Nicht armselig,« erwiderte er warm, »denn haben Sie nicht gehört, was ein Geistreicher gesagt, daß das Wörtchen ›vielleicht‹ die Visitenkarte der Hoffnung ist?«

»Und wenn die Hoffnung nun darauf schriebe: p. p. c. – pour prendre congé?« fragte Dolores.

Einen Augenblick sah der Erbprinz ihr in die angstvoll auf sich gerichteten Augen, dann erwiderte er zuversichtlich:

»Das müßte ich schwarz auf weiß haben, denn die Hoffnung nimmt niemals für immer Abschied von den Menschen.«

Sie aber schüttelte nur mit dem Kopfe – sie wußte es besser.

Und der Erbprinz ging, und wenn er das Wörtchen »vielleicht,« auf das er so viel Hoffnung setzte, zurückdrängte, so blieb ihm freilich nicht mehr viel übrig, um darauf zu bauen. Aber Menschen in seiner Lebenslage bauen dennoch – luftige, hohe Schlösser auf sandigen Boden, bis der Windstoß kommt, der sie vor ihren Augen zusammenbrechen läßt und ihnen nichts davon bleibt, als Schutt, Trümmer und Scherben. – –

Dolores war allein zurückgeblieben mit klopfendem Herzen und fliegenden Pulsen, denn kaum war der Erbprinz gegangen, da traten vor ihren redlichen Sinn schon die Fragen: Was hast du gethan? Welches Recht hast du, ein Herz zu versprechen, das du voll und ganz nicht mehr geben kannst? Welches Recht hast du, Hoffnungen zu erwecken, die du nicht erfüllen kannst?

Und doch hätte sie am liebsten gleich »Ja« gesagt, denn ihr schien Hand und Herz des Erbprinzen wie ein wohlgeborgener Hafen, in welchem sie sicher war vor sich selbst, in welchen sie sich allzeit retten konnte, wenn auch die hohe See des Lebens ihr den Gischt in die Augen schleuderte und sie blendete, daß sie ihren Weg nicht mehr klar sah vor sich. Und sie glaubte glücklich werden zu können an der Seite eines solch' edeln Menschen, selbst wenn sie ihn nicht so liebte, wie sie dachte und glaubte, lieben zu sollen, und endlich wußte sie es nicht und ahnte nicht, wie schwer ihr Herz getroffen war und wie unheilbar seine Wunde. Diese Erkenntnis ward ihr noch vorbehalten – sie wäre ihr erspart geblieben, wenn es sie an jenem Abend nicht herausgetrieben hätte, um im Freien in Gottes klarer Luft besser denken, besser prüfen zu können, trotzdem das Zünglein der Wage sich schon tief herabneigte nach der Wagschale des Erbprinzen, denn, wie gesagt, Dolores hatte noch nicht genug gekostet vom Apfel der Erkenntnis, hatte auf die Sprache des eigenen Herzens noch nicht gelauscht oder dieselbe doch gebieterisch zum Schweigen gebracht – kurz, sie war noch nicht sehend geworden.

Während der Erbprinz droben war bei ihr, hatten Doktor Ruß und seine Frau auf der Terrasse vor ihren Zimmern Platz genommen, und kurz darauf kam auch Falkner von Monrepos herüber, um, wie er sogleich sagte, seiner Mutter den heut' von der herzoglichen Familie fixierten Tag seiner Hochzeit zu melden.