»Ich wollte damit nur sagen, daß wir natürlich keine Rothschild-artigen Revenüen von dir verlangen,« erwiderte Ruß sehr gelassen, »denn wir wissen ja, daß die Apanage deiner Braut durch ihre unebenbürtige Heirat erlischt und ihr mütterliches Vermögen nur eine unantastbare Leibrente bildet. Ich habe also auch nicht von pekuniären Vorteilen gesprochen, sondern von materiellen.«
»Jedenfalls bist du sehr gut informiert,« sagte Falkner sarkastisch.
»Nicht wahr?« nickte Doktor Ruß seinem Stiefsohne so harmlos zu, daß diesem das Blut in die Stirn stieg und er alle Mühe hatte, eine heftige Antwort zurückzudrängen.
»Ich bitte also um eine Erklärung, was du unter materiellen Vorteilen von meiner Heirat verstehst,« rief er ungeduldig, »du mußt meiner schweren Begriffsfähigkeit hierin etwas zu Hilfe kommen.« –
»Gern, lieber Alfred,« entgegnete Ruß sehr sanft und freundlich. »Ich meine nämlich, es dürfte jetzt die Zeit gekommen sein, wo du statt deiner vielgerühmten Hilfen aus deinen Überschüssen –«
Nun sprang aber Falkner empor im hellen Zorn.
»Wie kannst du wagen, von ›vielgerühmten‹ Hilfen zu sprechen,« sagte er leise mit flammendem Auge. »Ich habe das Wenige, was ich meiner Mutter geben konnte, in meinem Herzen stets um seiner Wenigkeit willen beklagt, aber ich war nie solch' ein Lump, mich dessen zu rühmen, was ich gab; denn wer sich erfüllbarer Pflichten rühmt, ist nichts als ein alberner Selbstanbeter und ein verächtlicher Renommist obendrein!«
Doktor Ruß sah ein, daß er zu weit gegangen war und seinen Stiefsohn unnötig gereizt hatte. Er nickte ihm deshalb lächelnd zu und klatschte leise Beifall.
»Bravo! Bravo!« rief er, »Adelheid, geliebtes Weib, sieh' deinen Sohn, dein Fleisch und Blut! In welch' schönen Zorn er für dich geraten kann –« –
»Was soll das wieder?« unterbrach ihn Falkner drohend. Aber Doktor Ruß war nicht so leicht einzuschüchtern.