»Nein, du hast mich nicht recht verstanden, oder ich, vielmehr, habe mich nicht richtig ausgedrückt,« sagte er mit seinem gewinnendsten Ton. »Ich meinte vielgerühmt in dem Sinne, als deine Mutter, und ich mit ihr, es in der That stets viel gerühmt haben, daß du von dem Deinen trotz den großen Ansprüchen, welche deine Carriere, dein Name und die große Stadt an dich stellten, immer noch für deine Mutter übrig hattest –«
»Daran ist auch von dir nichts zu rühmen,« unterbrach ihn Falkner kurz und scharf, denn der schnelle Blick, den Frau Ruß auf ihren Mann geworfen hatte, war ihm nicht entgangen und hatte ihm gesagt, daß sein Stiefvater das böse Wort nur zu seinen Gunsten gedreht, und seine Fertigkeit in dieser Kunst abermals bewiesen hatte.
»Doch! doch!« widersprach der Unerschütterliche auf das Süßeste, und fuhr dann fort: »Um also endlich auf des Pudels Kern zu kommen, so hatte ich sagen wollen, daß deine Mutter und ich erwarten, daß es dir nunmehr gelingen wird durch deinen unleugbaren Einfluß am Hofe des Herzogs, deines Schwiegervaters, für mich eine Stellung zu erwirken, welche deine Mutter auf eine Stufe stellt, die für dich nichts Peinliches hat. Der meinem Namen mangelnde Adel dürfte dann auch wohl so schwer nicht zu beschaffen sein.«
Falkner, welcher stehen geblieben war, ergriff jetzt seinen Hut.
»Ich fürchte, dich enttäuschen zu müssen,« sagte er, sich vollständig bezwingend. »Ich bin so ganz und gar nicht der Mann dazu, der durch eine nähere Verbindung mit den Großen dieser Erde, diese sogleich dazu benutzt, um seine Verwandten zu poussieren. Das war ein Geschäft für die Pompadour und ihresgleichen. Deine eigenen Bemühungen um eine Professur werden da jedenfalls erfolgreicher sein. Du brauchst dann auch den Adel nicht, dessen in meinen Augen ein gebildeter Mensch überhaupt nicht bedarf, um vorwärts zu kommen. Und bis ich soweit bin, das heißt bis ich in der Intimität mit den neuen Verwandten soweit gedeihe, daß ich eine derartige Bitte aussprechen würde – bis dahin bist du längst in Amt und Würden.«
»Natürlich,« erwiderte Doktor Ruß seltsam zerstreut.
»Dies ist meine persönliche Ansicht davon,« fuhr Falkner fort, »aber es kommt noch ein anderer Faktor dazu, der deinem Wunsche entgegentritt. Es ist dies die wahrscheinliche Resignation des Herzogs und seines Hauses und die Einverleibung Nordlands in die Reichslande.«
»Ah –!« machte Doktor Ruß mit demselben unsteten Blick wie zuvor.
»Ich bitte euch, diese Mitteilung aber geheim zu halten,« schloß Falkner, verwundert, daß die Zunge seines Schwiegervaters keinen scharf zugespitzten Pfeil auf seine Weigerung hatte. »Ich habe,« setzte er hinzu, »nur deshalb davon gesprochen und dir gegenüber Gebrauch von dieser nur in Umrissen skizzierten Idee gemacht, um den Beweis zu liefern, daß Egoismus und böser Wille mich nicht leitet.«
»Gewiß! Gewiß!« meinte Doktor Ruß, wie wenn jemand, sehr beschäftigt, ein fragendes Kind abfertigen will.