»Ja,« antwortete sie einfach – was aber lag alles in diesem kurzen, schlichten »Ja.« Und dann machte sie sich frei aus seinen Armen. »Du mußt jetzt gehen,« sagte sie, »denn die Sonne ist untergegangen, und es ist spät geworden – zu spät!«
Da sagte er gehorsam: »Lebewohl,« doch ehe er ging, nahm er einen Zweig der Blutbuche, den sie vorhin abgebrochen hatte, aus ihrer Hand, küßte ihn, und sprach: »Laß es mir als einziges, was mir von dir bleiben darf –:
Dies Blatt aus sommerlichen Tagen,
Ich nahm es so im Wandern mit,
Auf daß es einst mir möge sagen
Wie süß die Nachtigall geschlagen,
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.«
Und dann ging er, ohne sich umzuwenden, und sie sah ihm nach mit umflortem Blick, wie er der Lichtung zuschritt, dem verblassenden Abendrot entgegen, und seine Gestalt zeichnete sich hoch und gebietend ab auf dem goldenen Grunde des scheidenden Lichtes, denn unter den Bäumen war es ganz dunkel geworden, dunkler noch auf den trägen Wassern des Hexenloches, auf welchem weiße Nymphäen blühten wie verlorene Sterne am dunkel umwölkten Nachthimmel.
Und da war es ihr, als ob eine Hand sie herandrängte hart an den Rand des Tümpels, und ehe sie noch erschrocken Widerstand leisten oder sich umsehen konnte, verlor ihr Fuß den Halt, mit einem lauten Aufschrei stürzte sie das graue Ufer hinab und die schwarzen Wellen des Hexenloches schlugen über ihr zusammen – – – –
Doch einer hörte den Schrei – Falkner – und sich blitzschnell umwendend, sah er eben noch die weiße Gestalt in dem unheimlichen Tümpel verschwinden.