Gestern erhielt ich Deine Karte vom 24.—25. Während Du den für uns verhüllten Mond betrachtetest, fühltest Du Dich, sehr mit Unrecht, ohnmächtig; wie sehr hattest Du aber Recht, daß Du hofftest!
In demselben Augenblick wurde ich durch die Vorsehung beschützt in einer Weise, die allen Hochmut über den Haufen wirft.
Am nächsten Tage hatten wir das wundervollste Morgenrot über dem Purpur der Herbstwälder in dieser Gegend, wo ich vor drei Jahren meine Skizzen malte. Wir sind aber an der Stelle,
wo die Landschaft Charakter annimmt, sich erweitert und von ergreifender Majestät wird. Wie Dir die Schönheit des Horizontes schildern! Wir bleiben in dieser herrlichen Gegend und heute ist Allerheiligen!
Zur Stunde schreibe ich Dir im Silberglanz der Sonne, die über den Nebeln des Tales aufgeht; wir ahnen das schlafende Land vierzig Kilometer weit in der Runde und die Schlacht stört kaum den weihevollen Ernst des Landschaftsbildes.
Liebe innig mein geplantes Gemälde. Es verknüpft mich mit meinem Schicksal. Wenn ich die Gnade habe, heimzukehren, wird die äußere Anlage des Bildes eine andere sein, das Wesen ist aber in der Skizze schon enthalten.
Mittag. — Herrlicher Allerheiligentag, den die Gewalttätigkeit entweiht.
Herrliche Pracht des Tages.
Den 2. November, Allerseelen.
Strahlendes Fest der Sonne und der Freude in der prächtigen Natur einer Maaslandschaft. Im Herzen preßt sich die Hoffnung zusammen, die dem Schmerze derer nicht spotten will, für welche dieser Tag der erste Schritt auf dem Wege der Trauer ist.