Gestern waren wir in einem hübschen Dorfe der Maasgegend, dessen Reiz durch den Gegensatz der umgebenden Ruinen noch erhöht wurde.
Ich konnte mir ein Hemd waschen lassen und, während es trocknete, unterhielt ich mich mit der trefflichen Frau, die täglich dem Tode trotzt, um ihr Heim zu schützen. Sie hat drei Söhne, alle sind Soldaten, und die Nachrichten, die sie von ihnen hat, sind schon alt; einer von ihnen ist wenige Kilometer von ihr vorbeimarschiert. Seine Mutter wußte es und hat ihn nicht sehen können. Eine andere von diesen französischen Frauen bewacht das Haus ihres Schwiegersohnes, der sechs Kinder hat.
Deine Aufgabe ist es, alles ruhig aufzunehmen und zugleich volles Vertrauen in die ewige Gerechtigkeit zu haben.
Halte Dich dabei nicht auf, den Wert der Persönlichkeit derer, die am Leben bleiben, derer die
gehen, zu betrachten; das heißt die Dinge auf der menschlichen Wagschale abwägen. Man muß aber in uns die gewaltige Summe dessen unterscheiden, was besser ist als das Menschliche.
Liebe Mutter, unbedingtes Vertrauen! Worin? Wir ahnen es beide.
Den 31. Oktober, 10 Uhr.
. . . Bis jetzt hatte ich die Weisheit des Entsagens, jetzt aber erstrebe ich eine Weisheit, die alles willig hinnimmt und auf das künftige Handeln hingerichtet ist. Was tut’s, wenn die Wolfsgrube sich unter den Füßen des Läufers öffnet? Freilich erreicht er sein Ziel nicht; ist der aber klüger, der am Rande verkommt unter dem Vorwand, daß er hineinfallen könnte?
Den 1. November, Allerheiligen, 8 Uhr.