Du siehst, liebe Mutter, wie Gottes Gnade uns Gaben austeilt, weit über die Beschwerden, die wir auf uns nehmen.

Es ist nicht einmal die Rede mehr von Geduld, da die Zeit für uns kein Maß mehr hat, da von keiner meßbaren Dauer mehr die Rede ist. Welchen Reichtum an Eindrücken birgt aber dafür der Augenblick in sich, der sich uns darbietet!

Das ist unser Leben, von dem ich Dir geschrieben habe, daß kein Ereignis daraus etwas Unfertiges, Abgebrochenes machen darf; diese Weisheit will ich mir bewahren. Zugleich aber will ich sie mit einer

andern Weisheit verbinden, die der Zukunft zugewandt ist, selbst wenn die Zukunft für uns eine verschlossene Gegend ist. Ja, nehmen wir von der Gegenwart alles an (und die Gegenwart bringt uns so viele Schätze!); aber laß uns auch die Zukunft vorbereiten.

Den 5. November, 8 Uhr.

Liebe Mutter!

Verhehle mir nichts von Paris, von Deinen Sorgen, von Deinen Beschäftigungen. Alles was Du beschließt, ist recht. Mein Glück ist gerade dieses Gefühl der Sicherheit, wenn ich in alledem an Deine Seele denke.

Das Wetter ist immer entzückend und sehr mild. Ohne die schöne Gegend zu verlassen, in die wir am 20. September gekommen sind, sind wir heute in die Wälder zurückgekehrt. Das liebe ich weniger als die freie weite Aussicht; aber es gibt doch auch hier gar hübsches zu sehen. Dann ist auch der Himmel, jetzt wo die Blätter abgefallen sind, so schön, so zart. Ich habe an C. geschrieben und werde an Frau C. schreiben. Ich erwarte einen Brief von Dir. Wüßtest Du wie viel länger ein Tag ohne Nachrichten ist! Ich habe zwar Deine früheren Briefe, aber der frische Brief hat einen Duft, den ich jetzt nicht mehr entbehren kann.

Den 6. November.

Gestern war ich, ohne zu wissen warum, ein wenig verstimmt: was die Soldaten „cafard“