nennen. Das kam daher, daß ich tags vorher mich von einem Tagebuch getrennt hatte, das ich Dir in einem Packet zu schicken mich entschlossen hatte. Die Ereignisse von vorgestern, obgleich friedlich, hatten mich derart umhergestoßen, daß ich mich dieser Unglückssendung nicht so annehmen konnte, wie ich es gewollt hätte. So war ich geteilt zwischen einer doppelten Angst: einmal, daß das Paket Dich nicht erreichen möchte und diese Aufzeichnungen, die mein Leben vom 1. bis zum 20. Oktober darstellen, verloren sein könnten; und dann, daß vielmehr dieses Paket zu Dir gelangen möchte vor dem erklärenden Briefe, was dir sonderbar erscheinen könnte, da die Sendung unter anderm Namen geschehen ist und der Umschlag meines Heftes Anweisungen gibt, damit man Dir gegebenenfalls diese Aufzeichnungen zuschicke.

. . . . Wir leben heute in der stimmungsvollsten und zartesten Landschaft Corots. Von der Scheune aus, in die wir unsern Vorposten untergebracht haben, sehe ich zunächst die Straße mit den Wasserlachen, die der Regen zurückgelassen hat. Dann Baumstumpfe, weiterhin hinter einer Wiese eine Reihe Weidenbäume am Rande eines eilenden und lieblichen Bächleins. Im Hintergrunde hüllen sich einige Häuser in einen leichten Dunst und halten jene zarten schwarzen Töne fest, für die unser teurer Landschaftsmaler ein so edles Empfinden hatte.

So friedlich ist es heute morgen. Wer könnte glauben, daß hinter uns nichts ist als Feuersbrunst und Trümmer! . . . .

Den 7. November, 8 Uhr morgens.

Eben erhalte ich Deine Karte vom 30., die mir die Sendung eines Pakets ankündigt. Wie nett! wie man an uns denkt! Alle Süßigkeiten werden gebührend gewürdigt.

Gestern entzückender Novembertag. Diesen Morgen zuviel Nebel, um die Freude an der Natur zu genießen. Aber gestern nachmittag!

Ein duftiges, ausgesucht zartes Wetter, wo alles sich einzeichnet wie auf eine angehauchte Glasscheibe eingeritzt. Die entlaubten Büsche in der Nähe unseres Wachpostens sind von einer Schar von Vögeln ausgesucht worden, grün, weiß am Rande der Flügel, die Männchen mit schwarzem, weiß getupftem Kopf. Wie Dir ausdrücken, was das bloße Rauschen ihres Fluges in dieser Stille für mich war! — Denn auch das ist ein Segen in diesen Kämpfen: in der Welt kann es nur eine bestimmte Menge Bosheit geben. Da nun der Mensch alles dem Menschen zuwendet, haben die Tiere ihren Vorteil davon, wenigstens die Tiere des Waldes, unsere gewöhnlichen Opfer.

Könntest Du nur die Sorglosigkeit der Tierchen des Waldes sehen, Mäuse, Feldmäuse! Letzthin folgte ich in unserm Laubversteck den Bewegungen

dieser Tierchen. Sie waren hübsch wie japanische Holzschnitte, das Innere ihrer Ohren rosa wie eine Muschel. Wir haben dann noch dem Ausflug der Kraniche beigewohnt: ihr Schrei in der Dämmerung ist erschütternd.