Ich habe soeben einen Brief vom 16. und eine Karte erhalten und einen lieben Brief vom 18.

Die beiden letzteren melden, daß meine Sendung angekommen ist. Wie froh bin ich darüber! Einen Augenblick fragte ich mich, ob ich Dir diese Eindrücke schicken sollte, aber unser Leben war nie und wird nie etwas anderes sein als ein stetes Forschen in der Gegend der ewigen Wahrheiten, ein inbrünstiges Betrachten von dem, was jeder Anblick auf Erden davon bietet. Daher bereue ich es nicht, Dir diese kurzen Bemerkungen geschickt zu haben.

Die heftigsten Leiden für mich waren die der Regentage im September. Sie haben übrigens für alle eine schmerzliche Erinnerung zurückgelassen. Wir schliefen umklammert, Gesicht an Gesicht, die Hände übereinandergeschlagen, in einer Überschwemmung von Wasser und Schlamm. Nie hätte man sich von unserer trostlosen Lage eine Vorstellung machen können.

Um das Maß unserer Leiden voll zu machen, nach diesen entsetzlichen Stunden, meldet man, daß der Feind seine Maschinengewehre auf uns richtet und daß wir ihn angreifen sollen. Mittlerweile sind wir abgelöst worden und die Entspannung war stark.

Mein unvollendetes Gedicht: „Soleil si pâle“ . . . bezieht sich auf die Tage des 11., 12. und 13. Oktobers, und überhaupt auf die Zeit der Kämpfe in den Wäldern, die für unser Regiment vom 22. September bis zum 13. Oktober dauerten. Gewisse

Sonnenaufgänge über den Opfern des Kampfes haben mich innerlich bewegt. Seitdem habe ich nichts mehr geschrieben, außer einem Gebet, das ich Dir vor fünf oder sechs Tagen geschickt habe. Ich habe es auf jener Straße verfaßt, die ich durchwandern mußte.

Den 25. November, morgens.

. . . . Gestern, während dieses Marsches habe ich in einer Landschaft meiner geliebten alten Meister gelebt. Als wir aus den Wäldern heraustraten, da wir, einer Straße entlang, herabstiegen, hatten wir in unserer Nähe einen weiten, schloßartigen Hof, von einer entlaubten Baumgruppe gekrönt, neben einem zugefrorenen Teich.

Fernerhin, in der verkürzten Perspektive, die meine lieben Maler trotz ihrer scheinbaren Einfalt so geschickt anwandten, stellte eine Straße, die ihre Windungen, ihre Senkungen und Steigungen entrollte, die Verbindung zwischen Büschen, einzelnen Bäumen her: alles scharf, feingegliedert, wie radiert, und doch rührend. Eine kleine Brücke führte über einen Bach, ein Reiter ritt in der Nähe der kleinen Brücke vorbei, bis ins Einzelnste scharf umrissen, dann ein kleiner Wagen: abgetönte und doch bestimmte Farben in seiner Harmonie, — all das vor einem Horizont von majestätischen Wäldern. Ein grauer Himmel, der die ganz moderne Farbensymphonie von vorigem Sonntag aufhob

und mich zu jener eindringlichen Peinlichkeit der Wiedergabe zurückführte, die uns bei einem Breughel und andern Meistern, deren Namen mir entfallen, bewegen. Derart ist auch die wohlgeordnete, durchsichtige, reiche Anordnung der Hintergründe von Albrecht Dürer.