Ich weiß das Urteil von Herrn C. außerordentlich zu würdigen. Ich hatte von jeher schriftstellerische Neigungen, schon als Kind, und bedaure, daß die abgebrochene Bildung, die ich mir selbst gegeben habe, soviele Lücken aufweist; aber durch alle Wechselfälle hindurch bewahre ich die Fähigkeit rechts und links die gefallenen Ähren zu lesen. Da ich nichts von der Zukunft vorweggenießen möchte, rede ich natürlich nicht von dem Wunsche Herrn E. in besseren Zeiten vorgestellt zu werden, das gehört nicht in unser Fach, augenblicklich.

Ich habe Frau L. . . geschrieben. Das ist für sie der letzte Schlag. Gewissen Lebensschicksalen ist es beschieden, die Medaille zu sein, in die alle Zeichen des Schmerzes sich einprägen. Das Unglück hat sie derart bearbeitet, daß sie nichts mehr haben, worauf eine Freude sich einzeichnen könnte.

Ich denke mir aber, daß eine so ausschließliche Einstellung eines Lebens auf den Schmerz einen geheimnisvollen Ausgleich findet im Gefühl, daß man alles Unglück ausgeschöpft habe. Es heißt viel, wenn man die Grenze des menschlichen Elends

bezeichnet. Solche Schicksale erscheinen wie Schildwachen, welche die Andern gegen die Schläge eines feindlichen Geschicks beschützen . . .

Jeden Tag sehe ich ein neues Kreuz in dem kleinen Soldatenkirchhof. Und über Allem der siegreiche Frühling . . .

Den 20. März.

Unsere Ferien gehen ruhig ihrem Ende zu, während unweit Lärm und Blutvergießen herrschen. Ich glaube das Regiment hat sich wieder gut gehalten.

Den 20. März.

Teure geliebte Mutter,

Nach soviel Gnadenbeweisen sollte ich mehr Vertrauen zeigen und will mich bemühen, mich Gott hinzugeben, aber die Zeiten sind hart. Ich erfahre unter vielen andern, den Tod eines Freundes mit dem ich im Quartier ein Bett teilte. Er war vor kurzem zum Unterleutnant ernannt worden.