Liebe Mutter, Liebe. Das ist das einzige menschliche Gefühl, das man noch bewahren darf.
Den 21. März.
Liebe Großmutter, da die Zeiten der Prüfungen nahen, will ich Dir all meine Liebe senden, mehr kann ich nicht tun. Die Lage erfordert wahrscheinlich Opfer, vor denen wir nicht mehr an das denken dürfen, was uns festhielt.
Laßt uns darum beten, daß der feste Glaube an das Schöne und Gute mitten unter den Schmerzen uns nicht verlasse.
Den 21. März,
Sonntag, bei der schönsten Sonne.
Teure geliebte Mutter,
Ich glaube, es ist die Rede davon, uns noch einen Tag zu behalten, so daß wir erst Dienstag abmarschieren würden. Ich weiß nicht, wo ich mein Bataillon wiederfinden werde und in welchem Zustande, denn der Kampf scheint außerordentlich hart zu sein und zieht sich hin. Die Nachrichten sind sehr widerspruchsvoll, was die Gewinne betrifft. Was die Zahl der Opfer betrifft, stimmen alle darin überein, daß sie sehr bedeutend ist. Wir hören sehr starken Kanonendonner und das schöne Wetter wird wohl die Kriegsleitung auf beiden Seiten dazu bewegen, die Entscheidung zu beschleunigen.
Ich hätte Dir gern manches erzählt von der schönen Landschaft, die mich mit ihrer Herrlichkeit umgibt, aber wahrhaftig, meine Gedanken sind dort, wo die Sonne die Menschen nicht zu ihrer Anbetung vereinigt, sondern nur den Haß beleuchtet, wo die Nacht nur Angst und Verrat mit sich bringt. Neulich in der herrlichen Ausdehnung dieser Landschaft, die sich dem Frühling darbot, dachte ich an die Freude, die ich empfand, ein Mensch zu sein. Und nun ein Mensch sein . . .
Unser benachbartes Regiment, das von R. L. . ., ist mit Kompagnien, die nur vierzig Mann zählten, zurückgekommen.
Ich wage nicht mehr von Hoffnung zu sprechen . . . was man als Gnade erflehen kann, ist, Alles Schöne, was der Augenblick bieten kann, ausschöpfen zu dürfen.