Das ist eine neue Art „sich auszuleben“, an die die Literatur bis jetzt nicht gedacht hatte.
Liebe Großmutter, wie hat mich Deine zärtliche Liebe in diesen Prüfungen gestärkt!
Den 22. März.
Glühende Sonne, vor der man sich staunend sagt, daß man im Krieg steht. Der Frühling ist sieghaft eingezogen. Er hat die Menschen mitten im Hasse, mitten in der schmachvollen Beleidigung der Schöpfung überrascht. Glücklicherweise verschweigen die Tagesberichte, das was vergänglich ist.
Da ich mich jetzt für einundzwanzig volle Tage weit hinter der Front befinde, habe ich Mühe mich wieder an das grauenhafte Bild dort zu gewöhnen. Aber ich weiß, liebe Mutter, daß mein Leben und Deines nur ein Ziel hatten und daß wir, selbst in der letzten Zeit, uns bemüht haben uns demselben zu nähern. So wird unser Leben vielleicht nicht zwecklos gewesen sein. Das ist heute der einzige Trost für eine ehrgeizige Seele, daß sie vorausahnt,
in welcher Richtung ihr Wirken einen Wiederhall finden wird.
Ich glaube, daß, wenn es mir vergönnt gewesen wäre, länger zu leben, ich nie mein Streben unterbrochen hätte. Da ich aber keine andere Gewißheit habe als die der gegenwärtigen Stunde, habe ich versucht, das Beste meines Selbst darauf zu verwenden.
Den 25. März.
Teure geliebte Mutter,
Jetzt führe ich wieder mein Höhlendasein. Ich habe den Platz wiedergefunden, den ich im vergangenen Monat verlassen hatte. Während meiner Abwesenheit ist nichts geschehen: ein furchtbarer Angriff ist unsererseits unternommen worden, hat aber zu keiner Entscheidung geführt. Man hatte Regimenter angreifen lassen, die weder unsern Schneid noch unsere schöne Haltung unter dem Feuer haben. Sie konnten sich nur zusammenhauen lassen und uns die abscheulichste Beschießung zuziehen, die man sich vorstellen kann. Wie es scheint war der frühere Kampf nichts im Vergleich zu diesem. Meine Kompagnie hatte schwere Verluste infolge von Lufttorpedos. Es sind Geschosse von einem Meter Höhe und 27 Zentimeter Umfang, die eine äußerst steile Flugbahn zurücklegen und senkrecht einfallen, was ihnen ermöglicht, in die engsten Höhlungen hineinzuplatzen. Deswegen leben wir mehrere Meter unter der Erde. Mildes Wetter.