Nun sind wir wieder mitten im Kriege. Ein fürchterlicher Angriff unsererseits hat soeben das Gemetzel der vergangenen Woche erneuert. Meine Kompagnie, die bei dem früheren Ansturm niedergemäht worden war, ist freilich diesmal verschont geblieben und wir mußten nur einen Abschnitt der Verteidigungslinie besetzen. Wir bekamen also nur die Spritzer des Kampfes ab.
Ich wohnte an einem schönen Frühlingssamstag dem fernen Schauspiel der Schlacht bei und sah das kriechende Tier, dem ein Bataillon gleicht,
vorrücken und im Rauch der Granaten sich winden. Es sind Jäger zu Fuß, die trotz der Maschinengewehre und der französischen und deutschen Beschießung angreifen. Diese Tapferen haben Allem zum Trotz ihre Aufgabe erfüllt und so die Niederlage der vergangenen Woche wieder ausgeglichen, wo unser Angriff erfolglos war.
Seit einem Monate ist es mir vergönnt, die Steindrucke Raffets[26)] zu erleben, mit dem Unterschiede, daß man zur Zeit Raffets ungestrafter in denselben Entfernungen Augenzeuge sein konnte, weil die Gewehre weniger weit schossen. Aber es gab wirklich schöne Dinge zu sehen, wie zum Beispiel diese endlose Ebene, auf die die Felshöhen herabschauen, die wir besetzt halten. Sie erstrahlen von den hunderttausend Feuern der Granaten. Und davor kletterten die Jäger immer weiter . . .
Sonntag, den 28. März (2. Brief).
Liebe Mutter,
Strahlendes Wetter, das sich im Laufe des Vormittags aufgeheitert hat. Ich habe unsern Sektor ziemlich weit durchwandert; augenblicklich nimmt die Beschießung wieder an Stärke zu.
Trotzdem wende ich meine Seele der Hoffnung zu. Für alle Fälle, flehe ich um Weisheit für Dich und für mich.
Teure, mitunter fühle ich wie leicht es mir wäre, mich wiederum den Beschäftigungen zuzuwenden, die den Reiz und den Sinn meines Lebens ausmachten. Mitunter fühle ich mich plötzlich in diesem schönen Frühling, derart zur Malerei hingezogen, daß es mir sehr leid tun würde, wenn ich nicht mehr malen dürfte. Aber ich bemühe mich doch, meine Seelenkräfte und meinen Willen auf dem schmalen und schwierigen Damm dieses Lebens zu erhalten.
Den 1. April.