Zum Schluß geht's durch einige Geröllrinnen, für die ich eine besondere Vorliebe besitze!

So sicher ich auch im Fels und beim Klettern bin, die heimtückische Nachgiebigkeit des losen Schuttes habe ich immer noch nicht gelernt genügend auszunützen. Der Hochtourist dagegen erklärt mir, während er in großen Sprüngen durch das Geröll hinabsetzt, des Rätsels einfache Lösung bestände darin, schon wieder auf dem anderen Fuß zu stehen, wenn der Schutt gerade unter dem einen nachgäbe, so daß man mit dem beweglichen Geröll fortwährend in Bewegung sei und gleichsam »mitfließe«, wie er sich euphemistisch ausdrückt.

Ich sehe vollständig ein, daß auch dies für Leute, die es können, sehr leicht sein muß – ich dagegen, die ich noch nicht diese Geistesgegenwart der unteren Extremitäten erlangt habe, nehme mehrmals »fließend« Platz.

»Solch ein Moment war's –« und mein Hochtourist, der sich aufgestellt hatte, um den gerade sehr wirksam beleuchteten Tejakopf aufzunehmen, drehte sich flugs um und eignete sich, meiner hilflosen Empörung zum Trotz, meine »fließende« Lage auf den spitzigen Steinen an. Sobald man wieder ins Tiefland kommt, werden eben die Charaktere wieder schlechter!

Endlich werde ich »abgeknüpft«. – Man bemerkt sarkastisch, daß doch zu hoffen wäre, ich könne die steilen Wiesen ohne Katastrophe überstehen! Darauf verschmähe ich jede Antwort – und sitze gleich darauf wie festgeklebt und etwas schmerzhaft auf der klitschigen, von Wurzeln durchzogenen Erde eines »Latschengassels«.

Als sich der Hochtourist umdreht, habe ich die Hand voll braunköpfiger, nach Vanille duftender Brunellen, und erkläre in stoischer Ruhe, daß ich meine Sträuße immer sitzend zusammenstelle. – Er ist geschlagen! –

Drunten am Sebensee, dicht neben der Jagdhütte von Ganghofer, gibt's noch eine letzte Rast, wo dann der letzte Proviant großmütig verteilt wird. Rückwärts, voll Befriedigung, wandert der Blick dabei zur Sonnenspitze hinauf – von hier aus erscheint sie als ein breites, doppelt gegipfeltes Massiv.

Da oben war man – ist's zu glauben?!

»Um ganz alpin zu reden,« unterbricht der Hochtourist die stumme Selbstbewunderung, die wohl aus meinen Zügen spricht, »müssen Sie sagen: ich habe ihr den Fuß auf den stolzen Nacken gesetzt!«

Ich betrachte meine Füße in den derben Nagelschuhen, ohne mich auf das Symbolische dieser Ausdrucksweise einzulassen, und nachträglich noch überkommt mich eine fromme Scheu, daß ich es wirklich gewagt habe –!