Darauf kehrte er wieder in die Stadt zurück. Bis auf die neue eiserne Oderbrücke, das bessere Straßenpflaster und die elektrische Beleuchtung waren die zwölf Jahre seiner Abwesenheit spurlos an dem Städtchen vorübergegangen. Im gemächlichen Tempo schlenderte er auf den ausgedehnten Promenadenanlagen rund um die ganze Stadt herum. Da schaute die Hinterseite des Gefängnisses herüber, und fünf Minuten später sah er die gelbe Mauer des Zuchthauses durch die herbstlich entlaubten Ulmen schimmern.

Das Hotel in St. Malo war bedeutend freundlicher! dachte er, trank in der alten Kutscherkneipe an der nächsten Ecke einen Schoppen von dem hellen, dünnen Aktienbier, das keinem Trinker etwas zuleide tat, schmauchte dazu eine echte Hawansener mit Ohlauer Deckblatt und erschien endlich wieder Punkt acht Uhr auf der Feldstraße.

Der Onkel öffnete ihm selbst die Tür und zog ihn sofort in sein Zimmer. Da stand ein gedeckter Tisch mit einer Flasche Rotwein in der Mitte. Die Gaskrone brannte, die Fenster waren verhängt.

„Schweinebraten ist auch da!“ rief Peter Voß vergnügt und setzte sich aufs Sofa vor das einzige Besteck, das aufgelegt war: „Also spielen wir mal den verlorenen Sohn oder den verlorenen Neffen. Prost, alter Herr!“

Der Onkel stand noch immer. Er hatte weder ein Besteck noch ein Glas. Peter Voß sprang auf, entschuldigte sich, lief zum Büfett, stellte alles auf den Tisch und schoß schließlich zur Tür hinaus. Mit einem halben Schinken und drei Flaschen Rotwein erschien er wieder.

Der Onkel hatte unterdessen auf dem Stuhl Platz genommen und stieß mit seinem Neffen an, obschon ihm dessen ungeniertes Benehmen reichlich unangebracht erschien.

„Mir scheint,“ sagte er und musterte ihn, indem er die Augenbrauen runzelte, „du hast zu diesem Uebermut eigentlich recht wenig Grund. Du befindest dich offenbar in sehr derangierten Verhältnissen.“

„Wieso?“ lachte ihn Peter Voß aus. „Ich tausche nicht mit dir, geliebter Onkel! Wie du mich hier sitzen siehst, bin ich wohlbestallter Kassierer des Bankhauses Stockes & Yarker in St. Louis. Ich beziehe an Gehalt ungefähr das Doppelte an Dollar, was ein Königlich Preußischer Landgerichtsrat in Mark verdient. Ich habe sogar begründete Hoffnung, in spätestens zwei Jahren Mitinhaber dieser hervorragenden Firma zu werden. Was sagst du nun dazu? Das hast du mir sicher nicht zugetraut!“

„Verhält sich das wirklich so?“ fragte der Onkel höchlichst überrascht.

„Glaubst du, ich bin hier herübergekommen, um dir einen Bären aufzubinden?“ rief Peter Voß und hieb in den Schweinsbraten ein.