Bei der Oderbrücke stand ein Polizist im Schutze der Selterwasserbude, den Kragen seines Wettermantels hoch über beide Ohren geschlagen. Das konnte man übrigens dem Manne gar nicht verdenken! Denn es goß wie mit Mulden vom Himmel.
Peter Voß legte im Vorbeihasten den Finger an den Mützenrand, und der Polizist dankte in derselben militärisch exakten Form. So kamen die beiden, ohne an dieser gefährlichen Klippe Schiffbruch zu leiden, über die Oderbrücke und erreichten nach einigen Minuten das freie Feld.
Trotzdem das Wetter nicht besser, eher schlechter wurde, nahm sich Peter Voß nun etwas mehr Zeit. Der Ausbrecher hielt sich dicht an seiner Seite. Auf Peter Voßens Ermunterung begann er zu berichten, daß er Emil Popel hieße, vorbestraft sei und wegen Urkundenfälschung ein Jahr Zuchthaus abbekommen hätte. Und zwar vor dem Schwurgericht unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Pätsch. Emil Popels Geburtsort war Konradswaldau im Kreise Kreuzburg, und in seiner bürgerlichen Stellung war er Schreiber beim dortigen Amtsvorsteher gewesen. Peter Voß fragte ihn, wie es seine Art war, recht gründlich aus.
„Wie lange sitzt du schon?“ fragte er.
„Seit heute,“ erwiderte Emil Popel.
„Und jetzt willst du natürlich nach Amerika?“
„Am besten wär’s schon!“ meinte Emil Popel. „Da bin ich am sichersten. Aber ich hab kein Geld.“
„Das sollst du haben, mein Junge!“ sagte Peter Voß freundlich. „Ich geb dir’s gerne. Du schlägst dich dann durch die Wälder zur Bahn hinüber, das sind gut vier Stunden, und fährst mit dem ersten Zug nach Oberschlesien und heidi! über die österreichische Grenze. Ueber Hamburg auszureißen, ist ganz verkehrt. Da erwischen sie dich sicher. Aber Triest, das ist ein ander Ding. Die Leute dort sind froh, wenn sie einen Passagier haben. Ich geb dir ein Papier, und du fährst einfach auf meinen Namen.“
„Wenn nur das Signalement stimmt!“ warf Emil Popel ein.
„Wird schon stimmen!“ beruhigte ihn Peter Voß im rüstigen Weiterschreiten. „Wie groß bist du denn? Nach den Kleidern zu urteilen, haben wir dieselbe Statur.“