„Sie wollten mich wohl messen und photographieren,“ erklärte Emil Popel kleinlaut, „aber es kam nicht dazu, ich glaube, der Apparat war kaputt.“
„Das sind ja himmelschreiende Zustände!“ rief Peter Voß grimmig und stampfte mit den schweren Zuchthäuslerschuhen durch den aufgeweichten Schmutz der Landstraße.
Eine halbe Stunde später erreichten sie das einsame Schulhaus. Das Wetter klärte sich plötzlich auf. Peter Voß schob Emil Popel in die Retirade und befahl ihm zu warten. Dann schlich er um das Haus herum, als hätte er nur den Schlüssel zur Hintertür, und holte aus dem Bienenstock seine Brieftasche, ohne daß er einen Stich bekam.
Wieder bei Emil Popel angekommen, zündete er ein Streichholz an und leuchtete ihm ins Gesicht. Prüfend musterte er seine erschreckten, ängstlichen Züge.
„Nicht übel!“ sagte er und warf das Streichholz weg. „Augen und Haare stimmen. Nur deine Nase ist ganz ordinär. Aber dafür kannst du nichts.“
„Krieg ich nun das Geld?“ fragte Emil Popel zaghaft.
„Hier!“ erwiderte Peter Voß und nahm im Finstern ein paar von seines Onkels Hundertmarkscheinen aus der Tasche. „1, 2, 3 und 4! Das sind vierhundert Mark. Damit kommst du nach Australien, wenn’s sein muß. Natürlich Zwischendeck. Und hier ist das Legitimationspapier, darauf steht bescheinigt, daß du amerikanischer Bürger bist. Lern unterwegs ein bißchen Englisch. Du heißt jetzt Peter Voß, also verplapper dich nicht.“
„Peter Voß!“ papageite Emil Popel und steckte das Papier ein.
„Das heißt,“ fuhr Peter Voß fort, „in New York heißt du wieder Emil Popel. Geld hast du. Und Urkundenfälscher werden nicht ausgeliefert. Also keine Angst! Du brauchst meinen Namen nicht länger zu mißbrauchen, als es unbedingt nötig ist.“
„So einer bin ich nicht!“ sagte Emil Popel in grundehrlichem Tone, dachte aber genau das Gegenteil.