„Da haben Sie ja ein Telephon!“ sagte Peter Voß und wies ganz demütig auf den braunen Kasten an der Wand. „Da brauchen Sie nur hineinzusprechen. Denn wenn er nicht sofort kommt, dann tu ich mir was an. Dann kommt die Verzweiflung über mich. Das halt ich nicht länger aus. So weiterleben kann ich nicht. Das geht einfach über meine Kräfte.“
Nun ging der Direktor ans Telephon und ließ sich zuerst mit der Wohnung des Landgerichtsrats verbinden. Die Haushälterin antwortete, daß der Herr Rat noch auf dem Gericht sei. Also fragte der Direktor dort an.
„Er wird in einer halben Stunde hier sein!“ sagte er dann zu Peter Voß und rief den Wärter herein.
„Gott sei Dank!“ seufzte Peter Voß erleichtert auf und ließ sich von dem Wärter in seine Zelle zurücktransportieren.
Landgerichtsrat Pätsch erledigte die kleine Strafkammersitzung und fuhr sofort zum Zuchthaus, ohne erst seine Robe abzulegen. Schließlich war dieses Verhör auch eine amtliche Handlung. Außerdem war draußen sehr schlechtes Wetter, und sein weiter Kaisermantel war zwar umfangreich, aber nicht sehr dick. Und die wacklige Droschke, die schon seit vielen Jahren ihren Stand beim Gericht hatte, war durchaus nicht winddicht. Er drückte sich den breiten, weichen Filzhut tiefer in die Stirn und putzte sich seine goldene Brille.
Der Zuchthausdirektor weihte ihn in die Geständnisschmerzen Emil Popels ein und gab ihm die Akten mit.
„Er will mit Ihnen allein sprechen!“ sagte der Direktor. „Es wird aber gut sein, wenn sich der Wärter in der Nähe aufhält. Denn dieser Emil Popel hat schon einmal einen Ueberfall gemacht.“
„Seien Sie ohne Sorge!“ lächelte der Landgerichtsrat. „Ich habe keine Furcht. Leute, die ein Geständnis zu machen haben, sind niemals aggressiv.“
Mit langsamen Schritten erstieg er die drei Treppen. An Peter Voßens Zellentür stand schon der Wärter.
„Stören Sie uns nicht!“ sprach der Rat freundlich und keuchte dabei ein wenig, denn mit dem Winter stellte sich bei ihm immer etwas Asthma ein. „Schließen Sie die Tür, ich klingle, wenn ich fertig bin.“