Die Tür tat sich auf, und Emil Popel, alias Franz Müller, alias Peter Voß saß auf dem Schemel, das Gesicht in die Hände vergraben. Die Tür schloß sich lautlos, und hastig rasselten die Schlüssel im Schloß.
Peter Voß sprang auf.
„Onkel!“ stieß er heraus, war mit einem Sprung bei ihm und packte ihn am Arme. „Du bist meine einzige Rettung. Du mußt mir hier heraushelfen. Gib mir Mantel, Hut und Akten. Du bleibst an meiner Stelle hier. Denn wenn du es nicht tust, dann muß ich dich überwältigen, binden und knebeln, ohne Rücksicht auf unsere nahe Verwandtschaft.“
Das war für das gute Herz des Landgerichtsrats zu viel. Es setzte einige Male aus. Die Akten Emil Popels entfielen seiner Hand. Er mußte sich an die Wand lehnen.
Sein leibhaftiger Neffe Peter Voß, den er längst in Sibirien oder sonstwo wähnte, hier im Zuchthause!
Das ging über seine körperlichen und geistigen Kräfte! Vor seinen Augen flimmerte es. Er machte noch eine abwehrende Handbewegung. Dann sank er ohnmächtig in seines Neffen Arme.
Nur einen Augenblick stand der verdutzt. Dann legte er den Leblosen auf die Pritsche und horchte auf seine Herztöne. Sie waren regelmäßig.
Das hat weiter keine Gefahr! dachte Peter Voß und begann, ihn blitzschnell bis auf die Unterkleider auszuziehen. Auch die Stiefel und die Brille vergaß er nicht. Rasch hüllte er den Regungslosen in seine Sträflingsgewandung. Kurze Haare hatten sie beide. Nun fuhr er mit einer Geschwindigkeit sondergleichen in des Onkels Kleider und hing sich den weiten, wallenden Mantel um. Hut und Brille vervollständigten die Maskierung. Endlich fischte er nach den Akten, um die Zelle zu verlassen.
Da fiel sein Blick auf die schwarze Toga. Flugs riß er aus dem schwarzen Tuch ein paar lange Streifen, daß es nur so zischte, und begann hurtig dem Onkel Hände und Füße zusammenzuschnüren.
Unter dieser Arbeit kam er wieder zu sich. Er wollte etwas sagen.