„Gleich bist du still!“ rief Peter Voß leise. „Du wirst dir schaden. Oder soll ich dich vielleicht noch knebeln? Sofort fällst du wieder in Ohnmacht und wachst nicht eher auf, bis der Wärter kommt.“
Der gute Onkel gehorchte, weil ihm nichts weiter übrig blieb.
„Polly ist bei mir!“ flüsterte er noch, dann schloß er die Augen und wandte das Gesicht gegen die Wand.
Peter Voß reckte sich auf, legte sein Gesicht in landgerichtsrätliche Respektfalten und drückte auf den Klingelknopf.
Nach kaum zehn Sekunden tat sich die Tür auf.
„Stören Sie den Mann nicht!“ sprach der vermeintliche Onkel seines vermeintlichen Neffen zu dem Wärter und drückte mit eigener Hand die Tür ins Schloß. „Sein Geständnis hat ihn aufs schwerste erschüttert. Geben Sie diese Akten dem Herrn Direktor und sagen Sie ihm, ich würde morgen um diese Zeit wiederkommen, um mit ihm Rücksprache zu nehmen. Ich habe zu Hause noch etliches nachzuprüfen. Es sind einfach furchtbare Dinge, die mir der Mann anvertraut hat. Sagen Sie das dem Herrn Direktor!“
Der Wärter nahm mit einer linkischen Verbeugung die Akten Emil Popels an sich. Der falsche Landgerichtsrat, den aber jeder Mensch für den echten halten mußte, stieg mit hörbarem Keuchen und schwerfälligen Schritten die drei Treppen hinunter. Die scharfe Brille auf der Nase war ihm etwas hinderlich. Auf den letzten drei Stufen versah er sich, trat daneben und wäre sicherlich böse gestolpert, wenn ihm der Portier nicht zu Hilfe geeilt wäre. Höflich stützte er den alten Herrn, der einen gar sehr gebrechlichen Eindruck machte, und führte ihn bis auf das Trottoir hinaus, wo die Droschke stand.
„Danke sehr!“ sagte der falsche Rat und wandte sich an den Kutscher. „Fahren Sie auf die Feldstraße! Sie wissen ja, wo ich wohne.“
In gemächlichem Zuckeltrapp setzte sich die Droschke in Bewegung. Der Portier legte die Finger an die Mütze. Zehn Minuten später stieg Peter Voß aus. Er hatte in der Hosentasche des Onkels längst ein umfängliches Schlüsselbund entdeckt und öffnete mit dem daran befindlichen Drücker die Haustür.
Und schon stand er Polly gegenüber.