Dodd beruhigte sie zunächst darüber, daß er nichts gegen den Landgerichtsrat vorhätte, sondern nur gegen den Besuch.

„Diese Frau ist eine Verbrecherin!“ sagte er leise. „Ich will ja nicht behaupten, daß sie dem Herrn Rat nach dem Leben trachtet, aber passen Sie gut auf, sie hat es jedenfalls auf ihn abgesehen.“

„O Gott!“ entfuhr es der Haushälterin. „Ich denke, die ist schon verheiratet!“

„So eine Amerikanerin setzt sich über alles hinweg. Horchen Sie nur fleißig an den Türen. Sie erweisen dem Herrn Rat einen großen Dienst damit. Er wird es Ihnen später noch einmal danken, wenn er es jetzt auch noch nicht einsieht. Schreiben Sie alles, was Sie Verdächtiges sehen und hören, auf und schicken Sie es mir ins Hotel „Zum goldenen Kreuz“. Oder noch besser, geben Sie es für mich beim Portier ab. Vor allen Dingen suchen Sie die Telegramme zu erwischen. Durchsuchen Sie stets den Papierkorb. Die Telegramme, die nur Ziffern enthalten, sind mir besonders wichtig. Wenn irgend etwas am Tage vorfällt, komme ich um elf Uhr abends hierher. Es soll Ihr Schaden nicht sein.“

Und damit drückte er ihr ein Zwanzigmarkstück in die Hand, kehrte ins Hotel zurück und wartete. Nur in der Dunkelheit ging er aus, und dann noch verkleidet, um die beiden Komplicen nicht argwöhnisch zu machen.

Aber es kam vorläufig nichts an den Tag, wie sehr auch die Haushälterin die Ohren spitzte und den Papierkorb durchwühlte. Es kam kein Telegramm aus Berlin noch sonstwoher.

Doch Dodd war zähe und blieb in Strienau. Solange Polly da war, hatte er nicht den geringsten Grund, abzureisen. Wie die Sachen jetzt lagen, brauchte er sich nur an ihre Fersen zu heften, um sicher auf Peter Voß zu stoßen.

Am vierten Abend nach der Flucht ging Dodd in der Dämmerung über die Bahnhofstraße. Der Landgerichtsrat und Polly kamen ihm entgegen. Schnell drückte er sich in den Schatten eines Baumes und hörte, wie Polly sehr lustig auflachte und sich eng an den alten Herrn schmiegte.

Sollte sie so verdorben sein? fragte sich Dodd wehmütig.

Und er blieb in Strienau, Peter Voß in Breslau, bis der Vorrat im Portemonnaie des Onkels auf die Neige ging. Dann fuhr er vierter Klasse nach Berlin.