14.
In Berlin machte sich Peter Voß alias Franz Lehmann sofort daran, mit dem Manne in Verbindung zu treten, der einen schwungvollen Handel mit guten unverfälschten Legitimationspapieren trieb. Er selbst bekam diesen dunklen Ehrenmann nicht zu Gesicht. Die Papiere gingen durch drei, vier Hände, ehe sie zu ihm gelangten. An russischen Pässen war kein Mangel. Peter Voß zahlte die Taxe, wobei der Inhaltsrest des landgerichtsrätlichen Portemonnaies dahinschwand, und bekam zwei schöne, vertrauenerweckende Papiere mit einem Signalement, das mit den Angaben des Fahndungsblattes aufs Haar genau übereinstimmte. Es war ein russischer Paß, der auf den Studenten Iwan Basarow lautete, und ein deutsches Militärpapier, das für den Hausknecht Xaver Tielemann aus Feldmoching bei München ausgestellt worden war.
Mit kritischen Blicken musterte Peter Voß diese Namen.
Zuerst wollte er es als Xaver Tielemann versuchen.
Eine halbe Stunde später stand er vor dem Generaldirektor des Esplanade-Hotels in Berlin. Es war ein vornehmer Herr, der mühelos die fünf Weltsprachen beherrschte, nur Russisch konnte er nicht. Damit konnte aber Peter Voß aufwarten.
„Wo sind Sie zuletzt in Stellung gewesen?“ fragte der Generaldirektor, dem dieser Xaver Tielemann auf den ersten Blick gefiel.
„Als Obersteward auf einem amerikanischen Dampfer,“ erklärte Peter Voß mit eiserner Stirn. „Wir haben bei Kap Hatteras Schiffbruch erlitten, wobei ich meine ganzen Effekten verloren habe. Ich habe mich dann als Trimmer herüberarbeiten müssen.“
„Es ist zwar keine Stelle frei,“ sagte der Generaldirektor. „Aber wir können Sie ja einmal versuchsweise einstellen als Hausdiener, für den Gepäckfahrstuhl und die Zimmer 200-240.“
So wurde Peter Voß als Xaver Tielemann Hausdiener im Esplanade-Hotel.
Er ließ sich den Bart abnehmen, erhielt eine grüne Schürze und eine grüne Mütze mit geradem Schild, auf der der Name Esplanade in goldenen Messingbuchstaben glänzte, und stellte sich im Hoteleingang an den Gepäckaufzug. Der würdevolle Portier war sein direkter Vorgesetzter.